Pressemitteilung vom 10.07.2020

25 Jahre Srebrenica: Mahnung und Auftrag für Europa

Anlässlich des 25. Jahrestages des Völkermords in Srebrenica erklärt Manuel Sarrazin, Sprecher für Osteuropapolitik:

Am 11. Juli 2020 jährt sich zum 25. Mal der Genozid von Srebrenica. Im Juli 1995 ermordeten bosnisch-serbische Truppen über 8.000 bosniakische Jungen und Männer. Ausgerechnet eine UN-Schutzzone wurde zum Massengrab. Das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs war ein entsetzliches Versagen europäischer Politik und der Vereinten Nationen. 100.000 Menschen verloren im Bosnienkrieg ihr Leben. Zehntausende Frauen und Mädchen wurden systematisch vergewaltigt und sexuell missbraucht.

Wir wissen, dass auch 25 Jahre nach dem Friedensvertrag von Dayton noch längst nicht alles gut ist. Bis heute gehören Hass und Nationalismus in der gesamten Region nicht der Vergangenheit an. Bis heute werden Kriegsverbrecher glorifiziert. Bis heute verfolgen Politikerinnen und Politiker die Kriegsziele von damals: die Schaffung von vermeintlich ethnisch „reinen“ Gebieten. Für sie alle ist der Völkermord von Srebrenica, sind Hass und Nationalismus keine laute Mahnung.

Für Frieden ist Gerechtigkeit essentiell. Deshalb müssen Kriegsverbrechen trotz der politischen Widerstände weiter aufgearbeitet werden. Deshalb darf die Leugnung des Völkermords nicht weiter ungeahndet bleiben. Ethnische Grenzziehungen sind keine Lösung, sondern eine Gefahr für den Frieden. Die Grenzen in der Region sind unantastbar und müssen es bleiben. Wir Grüne wissen um unsere politische Mitverantwortung, dass solche Verbrechen nie wieder geschehen dürfen. Deshalb werden wir auch weiterhin all die mutigen Menschen unterstützen, die sich vor Ort unermüdlich und aller persönlichen Anfeindungen zum Trotz für unsere gemeinsamen Werte, für Demokratie und Menschenrechte einsetzen. Und wir erwarten, dass auch die Bundesregierung und die EU diese Menschen noch viel stärker als bislang ins Zentrum ihrer Politik rücken.

Bosnien und Herzegowina und die gesamte Region sind Europa. Die Zukunft der Länder des westlichen Balkans liegt in der EU, auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist. Die EU war und ist ein Friedensversprechen. Und dieses Friedensversprechen wird erst dann eingelöst sein, wenn auch in dieser Region Europas der Frieden dauerhaft gewährleistet ist.