Pressemitteilung vom 22.06.2021

80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion

Anlässlich des Jahrestags des Überfalls auf die Sowjetunion vor 80 Jahren erklären Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende, und Manuel Sarrazin, Sprecher für Osteuropapolitik:

Der 22. Juni ist ein Tag der Trauer. Er markiert den Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion vor 80 Jahren. Mit der sogenannten „Unternehmung Barbarossa“ trat Deutschland einen weiteren Schritt des grausamen und menschenverachtenden Vernichtungskriegs Richtung Osten los. Die deutschen Nationalsozialisten verfolgten erbarmungslos ihre faschistische, rassenideologische Lebensraumpolitik, die die Menschen der damaligen UdSSR versklaven und ermorden und die eroberten Gebiete wirtschaftlich ausbeuten sollte.

Mit der Dokumentations-, Bildungs- und Erinnerungsstätte zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs und der nationalsozialistischen Besatzungsherrschaft, die der Bundestag beschlossen hat, werden die Voraussetzungen für eine fortdauernde Aufarbeitung der deutschen Verbrechen gestärkt. Dies ist angesichts der noch immer vorherrschenden divergierenden Geschichtsbilder zwischen der deutschen Bevölkerung und den „Opfergesellschaften“ richtig und wichtig. Das Leid, das der Krieg über die Sowjetunion brachte, spielt im historischen Bewusstsein vieler Deutscher kaum eine Rolle. Hinzu kommt, dass mit dem wachsenden Abstand zum Krieg und zur Befreiung vom Faschismus, Tendenzen zunehmen, die das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg instrumentalisieren, um das eigene Verhalten neu zu legitimieren. Gerade in Zeiten, in denen die Geschichte zur Rechtfertigung des politischen Handelns der Gegenwart missbraucht wird, darf sich die Bundesrepublik der historischen Debatten in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nicht entziehen. In Anerkennung unterschiedlicher Perspektiven sollte Deutschland eine aktivere Rolle spielen, um der Instrumentalisierung von Geschichte vorzubeugen.

Neben der historischen Aufarbeitung in Deutschland muss die Bundesrepublik aber auch mehr in die gemeinsame Geschichtspolitik mit allen Nachfolgestaaten der UdSSR investieren – insbesondere mit der Ukraine, Belarus und Russland. Hier geht es um den Dialog über verschiedene Perspektiven ebenso wie über die konkreten Folgen des Krieges, zum Beispiel um die Sichtbarmachung und Sicherung von Massengräbern.