Pressemitteilung vom 30.06.2021

Besorgniserregender Anstieg an Hungernden

Zum Jahresbericht der Welthungerhilfe erklärt Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik:

Es ist alarmierend, dass die Zahl der Hungernden weiter steigt. Die Erfolge, die in den vergangenen Jahren im Kampf gegen den Hunger erreicht werden konnten, stehen auf dem Spiel. Niemand sollte Hunger leiden müssen. Der besorgniserregende Trend geht insbesondere auf gewaltsame Konflikte und die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurück. Gleichzeitig trifft der Klimawandel die Menschen im Globalen Süden mit voller Wucht.

Aber auch die strukturellen Ursachen für die Ausbreitung des Hungers müssen endlich angegangen werden. Es braucht deshalb eine grundlegende Neuausrichtung in vielen Politikfeldern: die Landwirtschaft muss konsequent agrarökologisch umgebaut werden. Internationale Handelsbeziehungen müssen auch den Interessen und Bedürfnissen der so genannten Entwicklungsländer dienen. Exzessive Nahrungsmittelspekulationen und Patente auf Saatgut müssen ein Ende haben. Und es braucht eine gerechte Verteilung von Land und mehr Rechtssicherheit für die ländliche Bevölkerung, insbesondere unter Berücksichtigung von Frauen, Indigenen und marginalisierten Gruppen.

Denn Hunger ist nicht nur das Fehlen von Nahrung. Hunger lähmt ganze Gesellschaften. Er kann bei unterernährten Kleinkindern verheerende Auswirkungen haben und bleibende Schäden anrichten. Kinder – insbesondere Mädchen – brechen die Schule ab, um ihren Familien zu helfen und büßen so ihre Zukunftschancen ein. Hungernde leben in einer permanenten Extremsituation, die es ihnen nahezu unmöglich macht, sich in die Gesellschaft einzubringen. Es braucht deshalb endlich den politischen Willen, den Hunger weltweit zu beenden.