Pressemitteilung vom 15.01.2020

Bioökonomiestrategie: Agro-Gentechnik und Einwegbecher sind nicht nachhaltig

Zur heutigen Vorstellung der Bioökonomiestrategie der Bundesregierung erklärt Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik:

Dass unsere Wirtschaft dringend nachhaltig werden muss, ist unbestreitbar. Dabei ausgerechnet auf Gentechnik-Pflanzen zu setzen, wie es die Agrarministerin jetzt erneut ausdrücklich macht, ist allerdings widersinnig. Gentechnik-Pflanzen haben sich in den letzten 30 Jahren als alles andere als nachhaltig erwiesen. Dennoch hat Julia Klöckner heute erneut unverhohlen und im eindeutigen Widerspruch zum Koalitionsvertrag die Gentechnik-Deregulierung als vermeintlichen Heilsbringer gefordert - genau im Argumentationsmuster der Biotech-Industrie. Der Koalitionspartner SPD hat sich dagegen heute im Agrarausschuss dazu bekannt, vereinbarungsgemäß das EuGH-Urteil umzusetzen und auch neue Gentechnik wie CRISPR gründlich zu prüfen und im Fall einer Zulassung als Gentechnik zu kennzeichnen.

Dem eigenen Anspruch der Nachhaltigkeit wird diese Bioökonomiestrategie auch sonst nicht gerecht. Es nützt der Umwelt wenig, die enormen Mengen von Einweg-Plastikbechern einfach durch dieselbe Zahl Einwegbecher aus Pappe oder Pflanzenplastik zu ersetzen. Das stumpfe Tauschen von fossilen Ressourcen gegen solche aus nachwachsenden Quellen reicht nicht aus und ist breitflächig ohnehin nicht umzusetzen. Dafür fehlen schlicht die Anbauflächen. Auch für nachwachsende Rohstoffe gelten die planetaren Grenzen. Stattdessen brauchen wir konkrete Maßnahmen gegen Ressourcenverschwendung und für langfristige Nutzung durch eine geplante Kreislaufwirtschaft von Anfang bis Ende. Dazu gehören auch die richtigen Rahmenbedingungen für Kaskadennutzung zum Beispiel von Holz. Wir brauchen eine umfassende Holzbaustrategie, um die Ressource Holz möglichst lang und effizient im System zu halten und damit klimaschonend und nachhaltig zu bauen.

Die Bioökonomiestrategie muss noch deutlich weiterentwickelt werden. Im Rahmen des angekündigten Umsetzungsplans muss die gesamte Zivilgesellschaft, vor allem auch Umwelt- und Entwicklungsverbände, gleichberechtigt eingebunden werden, statt wie bisher hauptsächlich auf die Industrie zu hören.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

Harald Ebner
Sprecher für Waldpolitik Sprecher für Gentechnik und Bioökonomiepolitik