Pressemitteilung vom 19.02.2021

Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs: Forschungsministerin ohne Gestaltungswille

Zum Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2021 erklärt Kai Gehring, Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule:

Wissenschaftler*innen leisten Großartiges – in der aktuellen Pandemiekrise und weit darüber hinaus. Darum haben sie mehr Wertschätzung, Sicherheit und Dauerstellen verdient, statt andauerndes Befristungsunwesen. Es braucht endlich klare Karriereperspektiven in der Wissenschaft, echte Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Karriere sowie eine bessere Grundfinanzierung der Hochschulen. Der an diesem Freitag vorgestellte Bericht muss der Bundesregierung ein Ansporn sein, die Lage der Wissenschaftler*innen endlich ernst zu nehmen, auf die Tagesordnung zu setzen und nachhaltig zu verbessern. Wenn Ministerin Karliczek jetzt schon auf den Koalitionsvertrag einer nächsten Regierung verweist, hat sie offenbar jeden Gestaltungsanspruch verloren.

In der Pandemiekrise lag die wissenschaftliche Arbeit vielerorts auf Eis, Forschungsprojekte und Abschlussarbeiten konnten nur unter erschwerten Bedingungen fortgesetzt werden. Der Spielraum, den das „Wissenschafts- und Studierenden-Unterstützungsgesetz“ im letzten Jahr schuf, darf nicht in Kürze abrupt enden, denn Wissenschaftler*innen in befristeten Jobs brauchen weiter eine verlässliche Perspektive in Lockdown- und Pandemiezeiten.

Auch jenseits der akuten Nothilfe in der Pandemie gibt es viel zu tun, vor allem bei der Chancengleichheit der Geschlechter. Je höher die Karrierestufe, desto geringer ist der Frauen-Anteil: Bei Promotionen liegt er immerhin bei 45 Prozent, bei der Habilitation schon nur noch bei 32 Prozent, unter W3-Professuren bei lediglich 27 Prozent. Hier reicht das Professorinnen-Programm allein offenbar nicht aus, sondern ein verbindliches Kaskadenmodell ist überfällig. Der aktuelle Zustand ist nicht nur Chancen-ungerecht, sondern verschenkt große Potentiale in der Wissenschaft.

Vor kurzem gab der Staatssekretär des Bundesministerium für Bildung und Forschung, Meister, noch eine Befristungsquote von maximal 50 Prozent als Ziel aus. Die heute vorgestellten Zahlen machen klar, dass wir davon noch meilenweit entfernt sind. Die Lage ist immer noch prekär: 92 Prozent der unter 45-Jährigen der Wissenschaftler*innen in einer frühen Karrierephase sind befristet beschäftigt. Seit 2010 hat sich dieser Anteil praktisch nicht verändert.
 

Foto von Kai Gehring MdB
Kai Gehring
Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule