Pressemitteilung vom 14.01.2020

Entwurf für Biodiversitäts-Abkommen: Strategien zur Umsetzung dringend erforderlich

Zur Veröffentlichung des ersten Entwurfes eines neuen globalen Biodiversitäts-Abkommen des Übereinkommens für Biologische Vielfalt (CBD) erklärt Steffi Lemke, Parlamentarische Geschäftsführerin und Sprecherin für Naturschutzpolitik:

„Mit riesigen Schritten schreiten das Arten-Aussterben und die Klimakrise voran. Am Beispiel der katastrophalen Waldbrände in Australien sehen wir aktuell, wie dramatisch sich die beiden Krisen unserer Zeit gegenseitig verstärken. Es ist von zentraler Bedeutung für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen, dass die Vereinten Nationen in diesem Herbst ein verbindliches und starkes Abkommen zum Erhalt unserer Biodiversität verabschieden. Der jetzt vorliegende Entwurf gibt Anlass zur Hoffnung. Die Unterschutzstellung von 30 Prozent der Erdoberfläche bis 2030, in denen eine Bewirtschaftung nur unter Einhaltung der planetaren Grenzen erlaubt ist, und die Erklärung von 10 Prozent der Erdoberfläche zu Totalreservaten könnten Ökosystemen den nötigen Raum für Erholung und Stärkung gegenüber menschlichen Einflüssen geben. Klar ist, dass die menschlichen Einflüsse auf unsere Natur drastisch gesenkt werden müssen. Die Ziele für eine Reduktion der Umweltverschmutzung und der Stärkung von Ökosystemen im Kampf gegen die Klimakrise, sind wichtige Schritte in die richtige Richtung.

Dringend nachverhandeln müssen die Vertragsstaaten bei den unbedingt erforderlichen Umsetzungsmechanismen. Schon die jetzt auslaufenden Aichi-Ziele waren ambitioniert und hätten bei erfolgreicher Umsetzung das Arten-Aussterben gestoppt. Doch die Umsetzung liegt bei den Nationalstaaten und diese haben auf ganzer Linie versagt. Keine der in diesem Jahr auslaufenden Zielmarken wird zufriedenstellend erreicht. Die Bundesregierung hat beispielsweise kaum eines ihrer 330 Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie erreicht. Der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen muss endlich eine zentrale Priorität im Regierungsprogramm der Bundesrepublik werden.

Hintergrund:

Die Konvention der biologischen Vielfalt (CBD) versucht seit einem Vierteljahrhundert durch völkerrechtlich bindende Vereinbarungen die Biodiversität zu schützen, das Artensterben zu stoppen und eine nachhaltige Nutzung einzuleiten. Dazu wurde auf der Vertragsstaatenkonferenz in Nagoya im Jahr 2010 eine ambitionierte Strategie mit den 20 Aichi-Zielen beschlossen, die bis 2020 erreicht werden sollte. Bei der 15. Vertragsstaatenkonferenz der CBD im chinesischen Kunming im Herbst soll ein neues Abkommen mit Zielen und Umsetzungsmechanismen das Arten-Aussterben endlich stoppen. Dabei muss klar sein, dass eine reine Fristverlängerung für die bisherigen Ziele auf das Jahr 2030 ohne verbesserte Umsetzungsmechanismen und konkrete Maßnahmen keine Option sein darf.

Steffi Lemke
Parlamentarische Geschäftsführerin Sprecherin für Naturschutzpolitik