Pressemitteilung vom 03.02.2021

Erneuerbare Energien im Verkehr: Vorrang für effiziente Elektromobilität beim Auto

Zum heute im Kabinett beschlossenem Gesetzentwurf zum Einsatz von Erneuerbaren Energien im Verkehrssektor erklärt Cem Özdemir, Vorsitzender im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur:

Es kommt nicht alle Tage vor, dass die Bundesregierung beim Klimaschutz die EU-Ziele zumindest verbal übertreffen will. 28 Prozent erneuerbare Energien im Verkehr bis 2030 hört sich erst einmal besser an als das, was Brüssel als Mindestforderung festlegt. Doch wie so oft kommt es bei der Bundesregierung auf das Kleingedruckte an. Der Anteil wird mit Rechentricks erreicht und mit ökologischen Kollateralschäden einhergehen.

Wieder traut sich die Bundesregierung nicht, sich beim Auto voll zur effizienten Elektromobilität zu bekennen. Das ist nicht nur mutlos und verdruckst, sondern eine Gefahr für Klimaschutz und unseren Wettbewerbsstandort Deutschland. Ohne diese Richtungsentscheidung riskiert die Bundesregierung, dass die E-Mobilität im Glauben an das ferne Wunder der E-Fuels ausgebremst wird. Und noch schlimmer wäre es, wenn weiterhin umweltschädliche biogene Kraftstoffe in den Tank fließen würden. Dieser Kraftstoffstrategie fehlt der grüne Faden.

Anstatt das Geschäftsmodell des Agrosprits noch über Jahre zu zementieren, hätte die Bundesregierung jetzt den Ausstieg einleiten müssen. Regenwald und Palmöl haben im Tank überhaupt nichts verloren und müssen deshalb sofort aus dem Kraftstoffmix gestrichen werden. Klare Nachhaltigkeitsstandards bei E-Fuels fehlen nach wie vor, obwohl deren Ökobilanz nur mit zusätzlichem Ökostrom, CO2 aus der Luft und grünem Wasserstoff stimmt.

Die Klimakrise ist so weit fortgeschritten, dass wir alle Technologien brauchen, aber wir brauchen nicht alles überall und müssen sie jeweils dort einsetzen, wo sie am effizientesten und verträglichsten sind. Von dieser Logik ist im Gesetzentwurf leider kaum etwas übrig geblieben.