Pressemitteilung vom 18.08.2020

Erntebilanz: Klöckner muss Umbau der Landwirtschaft voranbringen

Zur Erntebilanz des Deutschen Bauernverbandes erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

Die immer schlimmer werdende Klimakrise führt es uns deutlich vor Augen: Das industrielle Agrarmodell, wie es jahrelang durch Union und Bauernverband zum Nonplusultra erklärt wurde, ist mit erheblichen, drastischen Nachteilen und Gefahren für die Gesellschaft und die Landwirtschaft selbst verbunden. Die Zahlen, die der Bauernverband nun vorlegt, zeigen, dass die Ernte auch in diesem Jahr wieder unterdurchschnittlich ist. Allein bei der Getreideernte sind es zwei Millionen Tonnen weniger als in den vergangenen Jahren und damit fast fünf Prozent. Das trifft die Bäuerinnen und Bauern hart. Hohe Ertragsschwankungen, fehlende Bodenwasservorräte und Trockenheit machen vielerorts den Anbau zu einem Vabanque-Spiel. Die Erntebilanz des DBV zeigt aber auch, eine Abhängigkeit von externen Arbeitskräften und eine einseitige Ausrichtung auf Export sowie die hochkonzentrierten Verarbeitungsstrukturen in der Fleischindustrie sind ein extremes Risiko und so nicht mehr haltbar.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat sich in der Vergangenheit hartnäckig geweigert, Impulse aus der Gesellschaft und anderen Ressorts zu berücksichtigen, wenn es um dringende benötigte Veränderungen im Agrarsektor ging. Jetzt zeigt sich: Das geht zu Lasten aller – auch der konventionell wirtschaftenden Bäuerinnen und Bauern. Wir brauchen deshalb eine umfassende Neuausrichtung der Landwirtschaft auf Qualität, lokale Vielfalt und Wertschöpfung in den Betrieben. Das geht nur mit einer radikalen Dezentralisierung von Verarbeitung und einer strikten Regionalisierung der Produktion. Das erfordert eine vielfältige, bäuerliche Agrarstruktur und eine Stärkung von direkten Erzeuger-Verbraucher-Beziehungen und lokaler Wertschöpfungsmodelle. Wir müssen den Betrieben dabei eine langfristige Zukunftsperspektive geben, die Landwirtschaft endlich zukunftsfähig gestalten und den zahlreichen globalen Herausforderungen, wie etwa der Anpassung an den Klimawandel und die deutliche Reduzierung klimawirksamer und umweltschädlicher Emissionen, begegnen.

Die Betriebe brauchen dringend langfristige Planbarkeit und Klarheit darüber, wohin die Reise geht. Wir brauchen deshalb eine klare und verbindliche Vereinbarung zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft, wie eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft auch 2030 und 2040 aussehen kann, die auch den globalen Herausforderungen gerecht wird.

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