Pressemitteilung vom 23.12.2020

Freiwillige Verhaltenskodexe reichen nicht

Zu Julia Klöckners Aufruf, der Lebensmitteleinzelhandel solle bei der Erarbeitung eines Verhaltenskodex für ein faires Miteinander mit der Landwirtschaft verbindlicher werden, erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

Der plötzliche Sinneswandel von Julia Klöckner zur Vorkämpferin der Bäuerinnen und Bauern gegenüber dem Handel ist wenig glaubwürdig. Schon seit Jahren sind freiwillige Vereinbarungen mit dem Handel ihr politischer Weg. Doch der Handel hat seine Marktmacht weiter ungebremst ausgebaut. Runde Tische und Bittstellungen reichen gegenüber dem Handel nicht aus, um einen fairen Umgang miteinander in der Wertschöpfungskette zu erreichen.

Die Umsetzung der europäischen UTP-Richtlinie in nationales Recht ist ohnehin verpflichtend. Mit diesen Lorbeeren kann die Bundesministerin sich nicht schmücken. Um den Bäuerinnen und Bauern wirksam zu helfen, müsste sie weit über die Mindestanforderungen der EU-Richtlinie hinausgehen. Sämtliche Praktiken der sogenannten grauen Liste, beispielsweise Listungsgebühren, sollten gänzlich verboten werden.

Um die Bauern wirksam zu schützen, muss zudem auch das unfaire Handeln der Verarbeiter gegenüber den Bäuerinnen und Bauern verboten werden. Besonders die großen Molkereien verhalten sich unfair gegenüber ihren Lieferanten, indem sie oft erst Wochen nach der Anlieferung den Auszahlungspreis für die Milch festlegen. Diese Unart zwingt unsere Landwirte in die Knie, sie können dem Druck nicht mehr lange standhalten.

Es braucht endlich mehr Fairness entlang der gesamten Wertschöpfungskette, und zwar gesetzlich verankert.

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