Pressemitteilung vom 25.09.2020

Grüne fordern bundesweiten Preis für Plattenläden

Anlässlich des Record Store Days am 26. September erklärt Erhard Grundl, Sprecher für Kulturpolitik:

Bücher, Schallplatten, Filme – diese Dinge sind wichtig. Nenn mich flach, aber es ist die verdammte Wahrheit“, sagte Rob Gordon, Besitzer eines Plattenladens, im Kultfilm „High Fidelity“. Und erst kürzlich machte die Meldung die Runde, dass in den USA erstmals seit den Achtzigern mehr Schallplatten als CDs verkauft wurden. Was manchen bisher das Plaisir nostalgischer Nerds zu sein schien, wird zum gesellschaftlichen Phänomen: Die Liebe zum Vinyl feiert ein Comeback.

Doch wo sollen diese Revivals stattfinden? Viele Plattenläden mussten in den letzten Jahren schließen und die Gründe dafür waren gar nicht mal so vielfältig: Streaming, eine übermächtige Online-Konkurrenz, und natürlich auch eine Musikindustrie, die ihre „Liebe“ zum unabhängigen Plattenladen erst vor kurzem wieder entdeckt hat, weil ihr selbst Digitalisierung und der Marktdruck von Amazon die Luft zum Atmen abzudrücken drohten. Und mancherorts waren es auch die steigenden Mieten.

Umso mehr müssen wir die Händlerinnen und Händler unterstützen, die mit viel Leidenschaft und Engagement für den Erhalt ihrer Shops kämpfen. Anlässlich des „Record store day 2020”, der alljährlich den Fokus auf die kleinen unabhängigen Plattenläden lenkt, fordern wir einen bundesweiten Preis für unabhängige Plattenläden. Der Preis, vergeben von einer unabhängigen Jury, soll Plattenläden auszeichnen, die durch ihr Angebot und ihre Kulturarbeit hervorstechen. Nominiert werden können die Plattenläden über eine bundesweite Plattform. Die Preise sollen mit 15.000 Euro dotiert sein. Zudem soll es drei Sonderpreise geben, die jeweils mit bis zu 25.000 Euro dotiert sind. Die Preisgelder sollen nicht zweckgebunden sein, so dass die Inhaberinnen und Inhaber die Mittel für Investitionen in den Laden, kulturelle Angebote oder auch als Wertschätzung ihrer Arbeit, für den Lebensunterhalt, verwenden können. Wir wollen damit Plattenläden als wichtige soziale Orte der kulturellen Vielfalt und Bildung schützen und unterstützen.

Echt Optimal in München, Second Hand Records in Stuttgart, Hanse Platte in Hamburg, Hardwax in Berlin, Monoton in Nürnberg und so einige mehr. Dort wird der Plattenladen nicht bloß als Verkaufsstation betrieben, sondern als Ort der Begegnung, des Austauschs und durchaus auch als Ort der kulturellen Bildung. Man spricht über Musik und gibt sich Tipps. Die Frauen und Männer hinter den Plattenladentresen fungieren als Kuratorinnen und Kuratoren für das kulturelle Erbe des Pop für alle Generationen. Viele Plattenläden bieten Kulturveranstaltungen an, wie Konzerte oder Lesungen lokaler Künstlerinnen und Künstler. Sie sind starke Partnerinnen und Partner der unabhängigen Musikszene und machen kulturelle Nachwuchsarbeit vielerorts erst möglich. Und sie sind Kristallisationspunkte einer vitalen Subkultur und das über viele Generationen: „Wir trugen unser Geld in die Plattenläden/Die einzige Art sich zu wehren“ (Peter Hein/Fehlfarben).

Diese Vermittlungsarbeit hat es verdient, kulturpolitisch gewürdigt zu werden. Die Kulturstaatsministerin vergibt den Deutschen Buchhandlungspreis und den Kinoprogrammpreis. Plattenläden bleiben bisher unter ihrem kulturpolitischen Radar. Das muss sich ändern.