Pressemitteilung vom 05.08.2021

Hiroshima und Nagasaki: Atombomben bleiben eine reale Bedrohung und gehören abgeschafft

Anlässlich der Jahrestage der Atombombenabwürfe auf Hiroshima am 6. August und auf Nagasaki am 9. August erklärt Katja Keul, Sprecherin für Abrüstungspolitik:

Die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki erinnern uns jedes Jahr daran, dass Atomwaffen bis heute eine der größten Gefahren für die Menschheit sind. Die Atombomben löschten in Hiroshima und Nagasaki innerhalb weniger Minuten das Leben von über 100.000 Menschen aus. An den Folgen der Explosion sind weitere unzählige Menschen gestorben.

Trotz der Gefahr, die von Atomwaffen ausgeht, ist die aktuelle nukleare Bedrohung aber höher denn je, da die Atomwaffenstaaten massiv in Modernisierung und beschleunigte Technik ihrer Nukleararsenale investieren. Sowohl die USA als auch Russland verfügen über etwa 6000 Sprengköpfe, von denen jeweils 1500 sofort einsatzbereit, also scharf gestellt sind. Ihre Anzahl ist im vergangenen Jahr sogar noch gestiegen und ihre Sprengkraft übersteigen die der Bombe von Hiroshima um das 100.000-fache. Auch das Unfallrisiko ist in den letzten Jahren größer geworden, da automatisierte und schnellere Abläufe menschliches Eingreifen im Notfall erschweren.

Der Gedenktag muss uns Mahnung sein, endlich ernst zu machen mit konkreten Abrüstungsbemühungen. Seit dem Regierungswechsel in den USA gibt es immerhin wieder Hoffnung auf eine Wiederbelebung nuklearer Rüstungskontrolle. Die Verlängerung des New-START-Vertrages war ein wichtiger Anfang und die Ankündigung der Biden-Administration, die Rolle der Atomwaffen im Bündnis zu reduzieren, den Wechsel zu einer „sole purpose“-Doktrin sowie Verhandlungen über sämtliche Atomwaffen mit der russischen Seite führen zu wollen, begrüßen wir ausdrücklich.

Die nächste Bundesregierung muss ihren Teil dazu leisten und diese neue Dynamik proaktiv unterstützen und darf sich nicht mit einer abwartenden Haltung begnügen. Die Reduzierung von taktischen Atomwaffen auf russischer und amerikanischer Seite steht in unserem eigenen europäischen Sicherheitsinteresse. Das betrifft insbesondere die Atomwaffen auf deutschem Boden und die Beendigung der nuklearen Teilhabe. Wir müssen daher endlich den Bundestagsbeschluss von 2010 umsetzen und die Atomwaffen zunächst aus Büchel und dann aus ganz Europa abziehen und uns dem UN- Atomwaffenverbotsvertrag anschließen.

Bis dahin sollte Deutschland bei der kommenden Staatenkonferenz des Atomwaffenverbotsvertrages wenigstens einen Beobachterstatus einnehmen und dafür auch bei weiteren Bündnispartnern aktiv werben. Denn nukleare Abschreckungspolitik hat noch nie funktioniert. Mit Atomwaffen kann man sich nicht verteidigen, ohne dass dadurch die eigene Vernichtung droht.

Foto von Katja Keul MdB
Katja Keul
Sprecherin für Rechtspolitik Sprecherin für Abrüstungspolitik