Pressemitteilung vom 04.01.2021

Interdisziplinäre Forschung und Vernetzung unter einem Dach – das ist das Gebot der Stunde

Zu den Vorschlägen des Kulturrates zur Reform der Stiftung Preußischer Kulturbesitz erklärt Erhard Grundl, Sprecher für Kulturpolitik:

Der Kulturrat hat sich zurecht für den Erhalt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ausgesprochen und damit dem Wissenschaftsrat eine Absage erteilt. Im Juni hatte der Wissenschaftsrat die Abwicklung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) empfohlen, einer der weltweit größten und renommiertesten Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen. Das wäre ein großer Fehler, denn interdisziplinäre Forschung und Vernetzung unter einem Dach sind das Gebot der Stunde. Die Stiftung kann genau damit aufwarten, als Zusammenschuss aus den Staatlichen Museen zu Berlin, die kulturgeschichtlich sehr unterschiedliche Sammlungsbestände umfassen, der Staatsbibliothek zu Berlin, dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, dem Staatlichen Institut für Musikforschung, dem Ibero-Amerikanischen Institut und künftig dem neu entstehenden Forschungsstandort Dahlem.

Aber die Stiftung muss besser werden, daran besteht kein Zweifel. Zu langsam und intransparent sind Entscheidungsstrukturen, darum ist mehr Entscheidungskompetenz bei den Museumsdirektionen auch über Personalentscheidungen notwendig. Zu langsam ist die Stiftung auch bei der Aufarbeitung von Sammlungsgut aus kolonialem Kontext und was den Stand der Digitalisierung angeht. Für den Reformprozess ist, wie der Kulturrat fordert, die Beteiligung der Mitarbeiterschaft unabdingbar. Klar ist aber auch, es geht nicht nur darum Personal zu halten, sondern auch Stellen aufzustocken. Denn auch das macht das Gutachten des Wissenschaftsrates deutlich: Die Stiftung ist chronisch unterfinanziert.

Warum allerdings nur noch der Bund und das Sitzland Berlin den Stiftungsrat bilden sollen, ist unklar. Was ist der Mehrwert, wenn der Bund und das finanziell eng gestrickte Land Berlin die Finanzierung der Stiftung alleine stemmen? Es ist sehr wohl denkbar, dass der Bund und alle 16 Länder im Stiftungsrat auf der Basis einer dynamischen Finanzierung gemeinsam 25 Prozent des Stiftungsetats stellen. Das würde der gesamtstaatlichen Bedeutung der Stiftung entsprechen. Zudem wäre ihre Unabhängigkeit von Vorgaben des Bundes gewahrt und das ist wichtig. Die erforderliche öffentliche Debatte mit allen Beteiligten über die Reform der SPK steht immer noch aus.