Pressemitteilung vom 15.12.2020

Lebensmittelhandel und -industrie in die Pflicht nehmen

Zu den vereinbarten Zielen zwischen Landwirten und Lebensmittelhandel erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

Bäuerinnen und Bauern haben diesen Erfolg aus eigener Kraft gegenüber dem Handel durchgesetzt. Das ist ein Erfolg. Spätestens jetzt muss sich der Deutsche Bauernverband (DBV) als deren Berufsvertretung jedoch fragen lassen, ob sein Schmusekurs mit der Verarbeitungsindustrie überhaupt noch die Interessen der eigenen Mitglieder abbildet. Sein Alleinvertretungsanspruch ist offenbar hinfällig, viele Bäuerinnen und Bauern haben dem Verband eine Absage erteilt und nehmen ihr Schicksal nun selbst in die Hand.

Doch allein mit freiwilligen Vereinbarungen zwischen Handel und Landwirtschaft ist den Bauern nicht geholfen, weil direkte Beziehungen zwischen Bauern und Handel die Ausnahme sind. Deshalb ist auch die Einrichtung einer Ombudsstelle weitestgehend wirkungslos. Die Versprechen des Handels werden so schnell wieder verpuffen, wie sie entstanden sind. Denn das Einzige was den Handel momentan interessiert, ist das bevorstehende Weihnachtsgeschäft - das darf keinesfalls durch rollende Traktoren gestört werden.

Die Gespräche über unfaire Geschäftsbeziehungen bei der Lebensmittelherstellung müssen endlich ehrlich werden. Das trifft besonders auf die Hauptabnehmer landwirtschaftlicher Produkte zu. Denn gerade dort, bei den oftmals genossenschaftlich organisierten Molkerei- und Schlachtunternehmen, liegt doch der Hund begraben, wenn wir über unfaire Geschäftsbeziehungen gegenüber Bäuerinnen und Bauern sprechen. Deshalb müssen wir den Genossenschaftsvorbehalt endlich kritisch auf den Prüfstand stellen.


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