Pressemitteilung vom 15.10.2020

Menschenrecht auf Nahrung endlich umsetzen

Zum Welternährungstag am 16. Oktober erklärt Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik:

Das Ausmaß der weltweiten Unterernährung ist erschütternd. 690 Millionen Menschen litten 2019 an chronischem Hunger – 10 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Durch die Auswirkungen der Coronakrise kommen noch etwa 130 Millionen akut Hungernde dazu. Dabei hatte sich die internationale Staatengemeinschaft zum  Ziel gesetzt, den Welthunger bis zum Jahr 2030 zu besiegen. Dieses Ziel wird weit verfehlt.  Derzeit gehen die Vereinten Nationen sogar davon aus, dass sich die Zahl der Hungernden bis 2030 um 150 Millionen Menschen erhöhen wird. Um es klar zu sagen: „Null Hunger“ wird es nicht geben, solange wir die grundlegenden Strukturen nicht ändern.

Gewaltsame Konflikte und die immer stärker spürbaren Auswirkungen der Klimakrise tragen massiv zu Hunger und Mangelernährung bei. Doch die zugrundeliegenden Ursachen, die Menschen in Krisensituationen überhaupt erst so vulnerabel machen, sind die sozialen Ungleichheiten: das Machtgefälle zwischen Nord und Süd, aber auch innerhalb einzelner Gesellschaften; ungleiche Handelsbeziehungen, bei denen die Länder des Südens vornehmlich Rohstofflieferanten bleiben; das Marktmonopol der Agrarindustrie; hohe Landkonzentration in den Händen weniger; patentiertes Saatgut sowie die gesundheitlichen und ökologischen Auswirkungen hochgiftiger Pestizide, um nur einige Aspekte zu nennen.

Für Ernährungssouveränität unter Einhaltung der planetaren Grenzen und der Menschenrechte braucht es deshalb eine grundlegende Neuausrichtung in vielen Politikfeldern: einen konsequenten agrarökologischen und menschenrechtsbasierten Umbau der Landwirtschaft, faire internationale Handelsbeziehungen, ein Ende von Nahrungsmittelspekulationen und Patenten auf Saatgut. Es braucht eine gerechte Verteilung von Land und mehr Rechtssicherheit für die ländliche Bevölkerung, insbesondere unter Berücksichtigung von Frauen, Indigenen und marginalisierten Gruppen.

Selbstverständlich muss sich auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit konsequent auf agrarökologische Ansätze ausrichten: Anstatt in Großprojekten mit der Agrarindustrie zu kooperieren, müssen Perspektiven für die ländliche Bevölkerung geschaffen werden.

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