Pressemitteilung vom 02.07.2020

Minijobs sind eine Sackgasse

Zur heute veröffentlichten Studie zum Niedriglohnsektor in Deutschland des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erklärt Beate Müller-Gemmeke, Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik:

Minijobs sind viel zu häufig eine Sackgasse. Das zeigt jetzt auch die Studie des DIW: Ganze Branchen bauen auf das „Niedriglohn-Modell Minijob“ und ersetzen reguläre Jobs durch prekäre Beschäftigung. Vor allem Frauen im Einzelhandel oder in Reinigungsdiensten arbeiten so. Sie sitzen viel zu oft in der Minijob-Falle fest, verdienen wenig und riskieren Altersarmut.

Die Bundesregierung muss jetzt die Konsequenzen aus diesen Fehlentwicklungen ziehen und endlich Maßnahmen ergreifen, um Niedriglöhne und Minijobs zurückzudrängen. Es ist wichtig, Minijobs wieder in ganz normale, reguläre Beschäftigung zu überführen. Nur so sind Beschäftigte geschützt und sozialversichert. Dann hätten die betroffenen Beschäftigten endlich auch Anspruch auf wichtige Leistungen wie Arbeitslosengeld I und Kurzarbeitergeld. Denn auch das unterstreicht die Studie: Die Corona-Krise trifft geringfügig Beschäftigte besonders hart. Sie waren die ersten, die ihren Arbeitsplatz verloren haben.

Reformen hin zu mehr regulärer Beschäftigung brauchen wir aber noch aus einem anderen Grund: In Zeiten des Fachkräftemangels können wir es uns als Gesellschaft schlicht nicht mehr leisten, Millionen von prekär arbeitenden Menschen ohne große Aufstiegschancen aufs Abstellgleis zu stellen. Als kurzzeitiger Zuverdienst, beispielsweise für Studierende oder Rentner, hat der Minijob weiterhin seine Berechtigung. Aber langfristig führen Minijobs Beschäftigte in eine Sackgasse, aus der sie viel zu häufig nicht wieder heraus kommen.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

Beate Müller-Gemmeke
Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik Koordinatorin Gewerkschafts- und Sozialbeirat