Pressemitteilung vom 23.09.2020

Neuer Präsident in Bougainville (Papua-Neuguinea): Deutschland muss Unabhängigkeitsprozess mehr unterstützen

Zur Wahl von Ishmael Toroama zum Präsidenten der Insel Bougainville (Papua-Neuguinea) erklärt Ottmar von Holtz, Sprecher für zivile Krisenprävention:

Nach dem gewaltsamen Konflikt von 1988 bis 1998 mit rund 20.000 Toten, dem darauf folgenden Friedensvertrag von 2001 und einem Unabhängigkeitsreferendum im November 2019, wurden in Bougainville nun Präsidentschaftswahlen durchgeführt. Der Wahlgewinner ist Ishmael Toroama, ein Bürgerkriegsveteran, der sich während der Friedensverhandlungen für Abrüstung stark machte. Die friedliche und eindeutige Wahl ist ein wichtiger Schritt für den weiteren Friedensprozess und die Verhandlungen mit der Zentralregierung Papua-Neuguineas, die einer Unabhängigkeit formell zustimmen muss und der Gründung eines neuen, politisch unabhängigen Staates bislang nicht wohlgesonnen ist. Dieser Weg wird steinig und der neugewählte Präsident der Autonomen Regierung Bougainville braucht Unterstützung. Deutschland muss für die weitere Entwicklung vor Ort einen signifikanten personellen, finanziellen und beratenden Beitrag anbieten, gerade auch angesichts der historischen Verantwortung Deutschlands: die Insel gehörte einst zur deutschen Kolonie “Kaiser-Wilhelm-Land”. Ein erster Schritt wäre die Eröffnung einer deutschen Vertretung vor Ort, die als Ansprechpartner dient und weitere Unterstützung zügig koordiniert. Es muss alles dafür getan werden, dass der weitere Verlauf der Verhandlungen friedlich bleibt und ein erneutes Ausbrechen von Gewalt verhindert wird. 

Dafür ist auch die Aufarbeitung der vergangenen Gräueltaten aus dem Bürgerkrieg von großer Bedeutung. Ein besonderer Fall ist eine mittlerweile stillgelegte Kupfermine, deren massive Umweltzerstörungen Auslöser des Konfliktes waren. Damals stellte sich die Zentralregierung schützend vor den britisch-australischen Minenbetreiber Rio Tinto. Der Bergbaukonzern schiebt bis heute sämtliche Verantwortung für die Auswirkungen der Panguna-Mine von sich. Deutschland sollte zur Beseitigung der toxischen Altlasten beitragen und so eine der wichtigsten Konfliktursachen eindämmen. Bis heute leiden Menschen unter gesundheitlichen Problemen. 

 

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