Pressemitteilung vom 12.04.2021

Das hohe Lied von Bundesministerin Klöckner auf vermeintliche Einschränkungen bei Kinderwerbung ist falsches Selbstlob

Zu den angekündigten Änderungen bei den Verhaltensregeln im Umgang mit Kinderwerbung erklärt Renate Künast, Sprecherin für Ernährungspolitik:

Bundesministerin Klöckner singt das hohe Lied auf die angeblich verschärfte Regulierung der Werbewirtschaft für an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung. Und sie führt uns damit hinters Licht. Fakt ist, die vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft angekündigte Ausweitung des Schutzkreises der Verhaltensregeln von unter 12-Jährige auf unter 14-Jährige ist eine bereits bestehende Regelung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags. Es ist also tatsächlich nichts Neues.

Außerdem soll an Kinder gerichtete Werbung in Zukunft keine positiven Ernährungseigenschaften mehr hervorheben, wenn sie im Umfeld von Kindersendungen ausgestrahlt wird oder sich direkt an Kinder richtet. Das hört sich erstmal gut an, ist aber inhaltlich nichts wert. Denn es besagt im Klartext, dass weiterhin zu jedem Anlass Kinderwerbung für zu süßes und fettiges Junkfood gemacht werden darf, nur ohne Nennung positiver Ernährungseigenschaften. Kinder und Jugendliche konsumieren Snacks aber nicht, weil sie vermeintlich auch gesunde Eigenschaften haben, sondern weil die Werbung ihnen suggeriert, dass das Produkt „cool“ ist. Genau diese Werbestrategie wird nun weiter verfolgt, um Kinder zum Konsum von Produkten zu verführen, die zu viel Salz, Fett und Zucker enthalten. Das erinnert an die lang praktizierten Methoden der Tabakwerbung, die sich auch gezielt an junge Menschen richtete.

Wir fordern, an Kinder gerichtete Werbung für Junkfood muss endlich verbindlich eingeschränkt werden. Das erfordert der Kinderschutz. Die Bundesministerin darf sich nicht hinter freiwilligen Maßnahmen des ZAW verstecken oder die Verantwortung für Kindermarketing allein auf die Länder schieben. Der Bund kann Werbebeschränkungen einführen, da es eine konkurrierende Gesetzgebungskompetenz im Lebensmittelrecht gibt und eine bundeseinheitliche Regelung zum Kindermarketing im gesamtstaatlichen Interesse ist. Jetzt müssen endlich die Kinder geschützt werden, statt die Konzerne.

Renate Künast MdB
Renate Künast
Sprecherin für Ernährungspolitik Sprecherin für Tierschutzpolitik