Pressemitteilung vom 02.07.2020

Untragbar: Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten verfehlt seine Aufgaben

Zur Kritik von Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch an den Äußerungen des Geschäftsführers der Stiftung Sächsische Gedenkstätten erklären Claudia Roth, Sprecherin für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, und Erhard Grundl, Sprecher für Kulturpolitik:

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch verdient volle Rückendeckung aller demokratischen Parteien und der Zivilgesellschaft in ihrer Kritik an den Äußerungen des Geschäftsführers der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, der die nächtlichen Krawalle von Stuttgart als „Bundeskristallnacht“ bezeichnet hat.

Herr Reiprich macht mit dieser Aussage zum wiederholten Mal deutlich, dass er seinen Aufgaben und der damit einhergehenden erinnerungspolitischen Verantwortung nicht gewachsen ist. Ein relativierender Umgang mit der Sprache der Nationalsozialisten ausgerechnet im Bereich der Erinnerungs- und Gedenkkultur ist untragbar.

Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten braucht Verantwortliche, die die Macht und Bedeutung von Sprache in ihrer Alltagsarbeit sowie den entsprechenden Umgang mit der Singularität der Verbrechen der Nationalsozialisten verstanden haben. Die Nationalsozialisten haben die organisierte Pogromnacht verharmlosend als Kristallnacht bezeichnet. Eine Gleichsetzung der Krawalle von Stuttgart mit der Pogromnacht der Nazis ist eine nicht hinnehmbare Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen. Die sogenannte Kristallnacht war der Beginn der offenen Gewalt gegen Jüdinnen und Juden, des offenen und staatlich legitimierten Angriffs auf Menschenleben aufgrund ihres Glaubens.

Es ist an der Zeit, Herrn Reiprich von seinem Amt zu entbinden, damit die Stiftung Sächsische Gedenkstätten ihrer wichtigen Arbeit in all ihrer Verantwortung nachkommen kann.

 

 

Claudia Roth
Bundestagsvizepräsidentin Sprecherin für Auswärtige Kulturpolitik