Pressemitteilung vom 11.02.2021

Waffen gehören nicht in Kinderhände: Strafverfolgung muss gestärkt werden

Anlässlich des Internationalen Red Hand Day am 12. Februar erklärt Ekin Deligöz, Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik:

Waffen gehören nicht in Kinderhände. Eine Selbstverständlichkeit, die jedoch nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis zu 250.000 Kindern weiterhin verwehrt bleibt. Denn nach wie vor werden in vielen bewaffneten Konflikten Kinder durch Rebellengruppen, aber auch durch reguläre Armeen als militärische Hilfskräfte oder Kämpfer*innen rekrutiert und zum Morden gezwungen. Anstelle von Spiel und Freizeit bestimmen Entführungen, Folter, Tod und sexualisierte Gewalt den Alltag dieser Kinder.

Das Deutsche Bündnis Kindersoldaten legt in diesem Jahr einen wichtigen inhaltlichen Schwerpunkt auf die Situation von Kindern im Irak, wo der „Islamische Staat“ (IS) von 2014 bis 2017 Tausende Kinder als Soldat*innen missbraucht hat. Denn mit der Freilassung ist das Leid vieler Kinder noch lange nicht beendet. Die Reintegration scheitert nicht selten an Stigmatisierung und fehlender psychosozialer Unterstützung.

Kindersoldat*innen sind Opfer und keine Täter*innen. Die Bundesregierung muss deshalb ihre Unterstützung für Traumatherapien und weitere psychosoziale Maßnahmen für befreite Kindersoldat*innen langfristig ausbauen. Nur wenn diesen Kindern Schutz und eine Zukunftsperspektive gegeben wird, kann ein Weg zurück ins Leben gelingen.

Die Verurteilung des ehemaligen Kommandanten der Lord’s Resistance Army (LRA) in Uganda, Dominic Ongwen, durch den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag vor wenigen Tagen ist von historischer Bedeutung. Die Bundesregierung muss dies zum Anlass nehmen, sich stärker für die Strafverfolgung und Ahndung von gravierenden Kinderrechtsverletzungen zu engagieren. Die Peiniger von Hundertausenden Kindern dürfen nicht weiter straflos davonkommen.

Damit die Bundesregierung auf internationaler Ebene auch glaubhaft gegen die Rekrutierung von Minderjährigen eintreten kann, muss sie sich endlich zum „Straight-18“-Ziel bekennen und sich verpflichten, erst ab einem Alter von 18 Jahren für die Bundeswehr zu rekrutieren. Zudem darf die Bundesregierung keine Waffenexporte in Länder durchführen, wo Kindersoldat*innen eingesetzt werden.