Pressemitteilung vom 20.08.2018

Wir trauern um Uri Avnery

Zum Tod von Uri Avnery erklären Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzende:

Wir trauern um Uri Avnery, den israelischen Friedensaktvisten, Schriftsteller und ehemaligen Parlamentsabgeordneten.

Uri Avnery wurde 1923 in Deutschland geboren und floh 1933 vor den Nazis in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina. Sein Leben nach der Flucht widmete er dem Einsatz für einen demokratischen Staat Israel, der Suche nach einem Kompromiss zwischen Israelis und Palästinensern und dem Frieden zwischen Israel und den arabischen Staaten. Diese Ziele verfolgte er als Journalist und Herausgeber des Nachrichtenmagazins Haolam Hazeh ("Diese Welt"), als Knesset-Abgeordneter in drei Legislaturperioden und als Aktivist in der von ihm mitbegründeten Friedensgruppe „Gush Shalom“.

Uri Avnery und die Grünen verbinden eine lange Geschichte. Uri Avnery war dabei als die Grünen 1983 zum ersten Mal in Bonn in den Bundestag einzogen. Er war Teilnehmer unzähliger Veranstaltungen von Partei und Bundestagsfraktion und zusammen mit seiner 2011 verstorbenen Frau Rachel Avnery regelmäßig im Gespräch mit Mitgliedern und Abgeordneten der Grünen. 1984 löste eine Delegation der Grünen in Israel eine Kontroverse aus, weil sie wenige Tage vor den Parlamentswahlen zusammen mit Uri Avnery eine gemeinsame Pressekonferenz mit der von Avnery gegründeten Partei „Progressive Friedensliste“ gab.

Uri Avnery war ein überzeugter Kämpfer für eine Zwei-Staaten-Regelung und für Gespräche mit der PLO - und das schon als beides in Israel noch bis hinein in israelische Friedensgruppen ein Tabu war. Sein politisches Wirken war gekennzeichnet durch Mut und Beharrlichkeit, politische Weitsicht und Humor. Bis kurz vor seinem Tod veröffentlichte er jede Woche einen Artikel zu aktuellen politischen Ereignissen. Die Artikel waren eine faszinierende Mischung aus scharfer politischer Analyse, eigenen Erfahrungen und Humor und geprägt durch fundierte Geschichtskenntnis.

Wir haben Uri Avnery viel zu verdanken, wir haben viel von ihm lernen dürfen. Sein Tod ist ein großer Verlust, für uns, für Israel und Palästina, für Israelis und Palästinenser.