Pressemitteilung vom 10.12.2020

Wissenschaftsbarometer: Sinkendes Vertrauen muss Weckruf für die Bundesregierung sein

Zur Veröffentlichung des Wissenschaftsbarometers 2020 erklärt Kai Gehring, Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule:

Selten waren die Augen stärker auf die Wissenschaft gerichtet, als in der grassierenden Corona-Pandemie. Unter den erwartungsvollen Augen der Gesellschaft arbeiten Forscherinnen und Forscher unter Hochdruck an Corona-Impfstoffen und Medikamenten. Sorge bereitet allerdings, dass das Vertrauen in die Wissenschaft zurückgegangen ist - wenn auch auf nach wie vor hohem Niveau. Sinkendes Vertrauen muss ein Weckruf für die Bundesregierung sein, verantwortungsvoll mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen umzugehen. Gerade wenn in der Pandemiekrise neue Entdeckungen einen Politikwechsel erfordern, muss dies transparent und nachvollziehbar erklärt werden. Insbesondere in der Pandemie darf Frust und Kritik an politischen Maßnahmen nicht bei den Forschenden abgeladen werden. Abhilfe könnte ein interdisziplinärer Pandemierat schaffen, der mit wissenschaftlicher Expertise Regierung und Parlament berät - auch um damit politische Entscheidungen öffentlich besser nachvollziehbar zu machen.

Essenziell für das Vertrauen in die Wissenschaft ist ihre Unabhängigkeit von wirtschaftlichen oder politischen Interessen. Wir setzen uns darum gemeinsam mit den grünen Wissenschaftsministerinnen in den Ländern für eine verlässliche, öffentliche Grundfinanzierung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Nur eine freie, neugiergetriebene Wissenschaft kann Antworten auf die Fragen der Zukunft finden, die wir heute noch gar nicht kennen. Vertrauen ist die stärkste Währung: Die Klimakrise oder das Artensterben werden wir nur bewältigen, wenn wir die Erkenntnisse der Wissenschaft ernst nehmen.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

Foto von Kai Gehring MdB
Kai Gehring
Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule