Statement vom 04.10.2020

Beate Müller-Gemmeke zu Recht auf Homeoffice

Zur Ankündigung von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, einen Mindestanspruch auf 24 Tage Homeoffice festschreiben zu wollen, erklärt Beate Müller-Gemmeke, Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik:

„Der von Minister Heil vorgeschlagene Mindestanspruch von 24 Tagen ist  zu wenig. Die Möglichkeit, hin und wieder im Homeoffice zu arbeiten, geht an der Realität und an den Wünschen der Menschen vorbei. Die Beschäftigten wollen verlässliche Regelungen. Es muss klar sein, dass sie ein oder zwei Tage in der Woche von zu Hause arbeiten können und zwar regelmäßig, damit sich alle verbindlich darauf einstellen können. Minister Heil tut so, als ob er ein Rechtsanspruch auf Homeoffice verspricht. Tatsächlich ist der Mindestanspruch von 24 Tagen einfach nur kleines Karo.

Homeoffice und mobiles Arbeiten müssen so ausgestaltet sein, dass die Beschäftigten wirklich davon profitieren. Dazu gehören auch klare Regeln zum Schutz der Beschäftigten. Homeoffice muss immer freiwillig sein und vor allem alternierend, als Ergänzung zum festen Arbeitsplatz. Das ist notwendig, damit die Beschäftigten sozial integriert sind und bei der Weiterbildung oder bei Aufstiegsmöglichkeiten nicht unsichtbar werden. Homeoffice darf auch nicht zu unbezahlter Mehrarbeit führen. Es gilt daher: Jede Stunde Arbeit muss dokumentiert und am Ende auch bezahlt werden. Außerdem darf die Arbeitszeit im Homeoffice auch nicht entgrenzen. Wenn der Arbeitstag vorbei ist, dann haben die Beschäftigten das Recht, nicht mehr erreichbar zu sein.

Ein Recht auf Homeoffice ist mehr als überfällig. Deshalb muss Minister Heil den lange angekündigten Gesetzentwurf jetzt auch wirklich auf den Tisch legen. Denn die Vorteile vom Homeoffice liegen auf der Hand: mehr Freiheiten, bessere Vereinbarkeit, mehr Lebenszufriedenheit, weniger Fahrzeit. Homeoffice eröffnet die Möglichkeit, dass Arbeit besser ins Leben passt. Das ist auch ökologisch sinnvoll. Denn laut Greenpeace könnten mehr als fünf Millionen Tonnen an Treibhausgasen pro Jahr eingespart werden, wenn 40 Prozent der Beschäftigten an zwei Tagen in der Woche von zu Hause aus arbeiten würden.“

Foto von Beate Müller-Gemmeke MdB
Beate Müller-Gemmeke
Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte und aktive Arbeitsmarktpolitik Koordinatorin Gewerkschafts- und Sozialbeirat