Statement vom 29.01.2021

Dr. Danyal Bayaz zur heutigen Befragung im Wirecard-Untersuchungsausschuss

Zur heutigen Befragung im Wirecard-Untersuchungsausschuss erklärt Dr. Danyal Bayaz, Obmann im Wirecard-Untersuchungsausschuss:

„Was dieser Skandal inzwischen Woche für Woche offenbart, lässt sich bald nicht mehr angemessen in Worte fassen. Wir sehen Betrug, Lügen und Heuchelei auf einer nach oben offenen Skala. Regierung und Behörden waren willige Steigbügelhalter. Fürstlich entlohnte Berater wie Karl-Theodor zu Guttenberg oder Kai Diekmann haben sich einspannen lassen. Aufsichts- und Strafbehörden haben schlampig und stümperhaft agiert. Dabei hatten Journalisten und Shortseller schon längst alle Puzzleteile auf den Tisch gelegt.

Die Münchner Staatsanwaltschaft und die Finanzaufsicht BaFin haben sich offenbar gegenseitig in eine Wagenburgmentalität hineingetrieben. Jan Marsalek musste ihnen dazu nur ein paar abenteuerliche Geschichten über angeblich böse Journalisten und Hedgefonds auftischen. Diese Märchen waren tatsächlich die Grundlage für das Leerverkaufsverbot im Februar 2019. Es ist ein Desaster für das Vertrauen in den Finanzplatz, dass die Finanzaufsicht BaFin auf Basis derart unseriöser Informationen über die Arbeit angelsächsischer Medien wie Financial Times und Bloomberg weitreichende Entscheidungen treffen und dabei sogar mit dem ‚kulturellen Hintergrund‘ der Akteure argumentieren. Verstärkt wird dieser Eindruck noch dadurch, dass ernsthafte und belegte Vorwürfe gegen Wirecard bis zur Flucht Jan Marsaleks nicht verfolgt wurden. Den Schaden haben viele Anlegerinnen und Anleger.

Bis heute haben sich weder BaFin-Chef Hufeld noch Bundesfinanzminister Scholz bei den Journalisten der Financial Times entschuldigt, die von der Finanzaufsicht auf Basis falscher Vorwürfe seitens Wirecards angezeigt wurden. Das ist ebenso überfällig wie ein Kulturwandel in der Finanzaufsicht. Es hat sich gezeigt, dass dieser Kulturwandel und die Aufklärung dieses Skandals mit der aktuellen Spitze unmöglich ist.“