Statement vom 12.02.2020

Dr. Kirsten Kappert-Gonther zu Recherchen zur medikamentösen Geburtseinleitung / Geburtsschäden

Anlässlich der Veröffentlichung von Recherchen zu Geburtsschäden im Zusammenhang mit der medikamentösen Geburtseinleitung erklärt Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin für Gesundheitsförderung:

„Wir brauchen einen Kulturwandel in der Geburtshilfe. Die werdende Mutter muss sicher sein, dass sie genau die Unterstützung bekommt, die sie braucht. Wo Geburten eingeleitet werden, nur um Zeit und Arbeitskraft zu sparen, und hierzu ohne Not Medikamente benutzt werden, deren Sicherheit nicht verbürgt ist, ist die Gesundheit von Müttern und Kindern gefährdet. Eine Geburt braucht Zeit, diese muss angemessen finanziert werden. Wir brauchen mehr und besser bezahlte Hebammen. Die Einleitung einer Geburt mit Medikamenten ist nicht generell  schädlich, aber viel zu oft sind Personalmangel oder Zeitdruck die Ursache dafür. Ein Verzicht auf die Verordnung von Cytotec außerhalb des zugelassenen Gebrauchs (Off-Label-Use) allein löst nicht die Probleme in der Geburtshilfe. Es darf nicht sein, dass Frauen aus ökonomischen Gründen Medikamente während der Geburt bekommen, ohne dass deren Verabreichung durch gesicherte Forschungsergebnisse, Leitlinien und eine enge Überwachung des Geburtsvorgangs gesichert ist. Auch in der Geburtshilfe muss eine zulassungsüberschreitende Verordnung von Medikamenten zwingend vom Patienteninteresse her begründet sein. Schwangere müssen selbstverständlich über alle medizinischen Interventionen umfassend aufgeklärt und das Einverständnis dokumentiert werden.
Wir fordern ein verbindliches Register für Geburtsschäden, damit Schädigungen des Kindes, die unter der Geburt entstehen, systematisch erfasst und auf ihre Ursache hin untersucht werden. Fehler erkennen und analysieren geht nur mit Transparenz. Wir müssen wissen, wie viele Kinder unter der Geburt geschädigt werden. Wir müssen wissen, was dafür die Ursachen sind, damit man aus den Fehlern für die Zukunft für nachfolgende Frauen und Kinder lernen kann. Hebammen sowie Ärztinnen und Ärzte brauchen gute Arbeitsbedingungen im Kreißsaal und Leitlinien sowie eine Ausbildung, die Zusammenarbeit und Kommunikation fördern.“

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