Statement vom 23.07.2018

Dr. Kirsten Kappert-Gonther zur Ärztemangel-Debatte

Zur Warnung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vor einem Ärztemangel erklärt Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin für Gesundheitsförderung:

"In Deutschland arbeiten derzeit mehr Ärztinnen und Ärzte als je zuvor und sichern eine gute Versorgung. Panik ist also nicht angebracht. Was fehlt ist eine weitsichtige Planung für die Zukunft. Wir brauchen endlich eine bessere Zusammenarbeit von Krankenhäusern und dem niedergelassenen Bereich. Ineffektive Doppelstrukturen, wie in der Notfallversorgung, müssen reformiert werden. Zudem muss die hausärztliche Versorgung gestärkt werden. Es zeichnet sich schon jetzt ein Mangel an Haus- und Kinderärzten ab. Schon heute finden viele Praxisinhaber keinen Nachfolger mehr. Wir brauchen attraktivere Arbeitsbedingungen für junge Ärztinnen und Ärzte. Das Modell des rund-um-die-Uhr arbeitenden Hausarztes funktioniert nicht mehr. Die Strukturen müssen so verändert werden, dass zunehmend auch eine Tätigkeit als angestellte Ärztin oder Arzt möglich ist. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist heute für viele junge Ärztinnen und Ärzte oft wichtiger als das große Geld. Aber auch die Vergütung in der Grundversorgung und in der sprechenden Medizin muss verbessert werden, statt immer weitere Anreize für die Apparatemedizin zu schaffen. Hier gilt es alte Zöpfe endlich abzuschneiden. Das Gleiche gilt für die Kooperation mit anderen Gesundheitsberufen auf Augenhöhe - da ist noch viel Luft nach oben. Nicht jede medizinische Leistung muss ärztlich erbracht werden, Hebammen, die Pflege, die therapeutischen Gesundheitsfachberufe könnten viel mehr Aufgaben übernehmen, wenn man sie ließe. Im Medizin-Studium sollte eine Praxiszeit in der hausärztlichen Versorgung vorgesehen werden, um angehende Ärztinnen und Ärzte zu einer späteren Tätigkeit in diesem Bereich zu ermuntern."

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