Statement vom 07.04.2021

Dr. Konstantin von Notz zur Kehrtwende der Union beim "Moscheeregister"

Zu den Berichten, wonach Innenpolitiker:innen der Unions-Bundestagsfraktion Abstand von einem „Moscheeregister“ nehmen, erklärt Dr. Konstantin von Notz, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Beauftragter für Religion und Weltanschauungen:

„Wir begrüßen den Kursschwenk der Innenpolitiker:innen der Union, Abstand von einem ‚Moscheeregister‘ zu nehmen. Hierbei handelte es sich von vornherein um einen untauglichen Ansatz. Gleichzeitig bleibt es dringend nötig, die finanzielle Unterstützung von Moscheegemeinden aus dem Ausland stärker in den Blick zu nehmen. Hierauf machen wir die Bundesregierung seit langem aufmerksam und haben wiederholt entsprechende parlamentarische Initiativen in den Deutschen Bundestag eingebracht.

Statt wie die Union rein repressiv vorzugehen, müssen wir jedoch vor allem die Ausbildung sehr viel stärker in den Blick nehmen. In Kooperation mit den Instituten für islamische Theologie wollen wir bundesweit qualifizierte islamisch-theologische und praxisorientierte Aus- und Weiterbildungen für Imame und islamische Religionsbedienstete in Deutschland als nachhaltige Alternative zur Anwerbung religiösen Personals aus dem Ausland etablieren. Als Vorbild kann die Ausbildung am Islamkolleg in Osnabrück dienen.

So ermöglichen wir eine von den Herkunftsländern strukturell und finanziell unabhängige und damit eigenständige und selbstbewusste Religionsausübung der hier lebenden Musliminnen und Muslime. Die praktische Ausbildung nah an den Gemeinden vor Ort ist ein Schlüsselelement für die religiöse Teilhabe in Deutschland.

Eine solch qualifizierte Ausbildung ermöglicht den Geistlichen darüber hinaus, mit den heterogenen Anforderungen der Gemeindearbeit in unserer pluralen Einwanderungsgesellschaft angemessen umzugehen. Imame, die mit den Lebenswirklichkeiten der Musliminnen und Muslimen in Deutschland vertraut sind, können ihre Rolle der Seelsorge und als religiöse Instanz sehr viel besser ausfüllen. Dies kann sich auch für die Prävention von Radikalisierungsprozessen als hilfreich erweisen.“

Mehr dazu in den Anträgen „Islamistischen Terror entschlossen bekämpfen – Null-Toleranz gegenüber Gefährdern“ vom 17.11.2020 auf BT-Drs 19/24383 und „Ausbildungsprogramme für Imame und islamische Religionsbedienstete in Deutschland fördern“ vom 28.11.2018 auf BT-Drucksache 19/6102

 

 

Foto von Konstantin von Notz MdB
Dr. Konstantin von Notz
Stellvertretender Fraktionsvorsitzender (19. WP) Beauftragter für Religion und Weltanschauungen (19. WP)