Statement vom 19.07.2021

Erhard Grundl zur Teilöffnung des Humboldt-Forums am 20. Juli

Zur Eröffnung der ersten sechs Ausstellungen im Humboldt-Forum am 20. Juli erklärt Erhard Grundl, Sprecher für Kulturpolitik:

„Die Öffnung des Humboldt-Forums auf Raten erfolgt, ohne die grundsätzliche Frage geklärt zu haben: Wie umgehen mit der Geschichte der Sammlungen aus kolonialem Kontext? Immerhin werden Teile des Ethnologischen Museums aus Berlin-Dahlem ins Humboldt-Forum umziehen. Das ,Prachtboot‘ von der Insel Luf, heute Papua-Neuguinea, befindet sich bereits vor Ort. Ein Raum wurde um das wertvolle Objekt herumgemauert. Und das, obwohl strittig ist, ob es sich um Raubkunst handelt.

Schließlich bleibt die Frage unbeantwortet: Wie kann hier ein ,Weltmuseum‘ entstehen unter einer Kuppel, die in Goldinschrift alle Menschen weltweit auffordert, ,das Knie im Namen Jesu zu beugen'? Weltoffenheit und christlicher Alleinanspruch - das ist ein fundamentaler Widerspruch, der nur durch die Entfernung des Spruchbandes zu lösen ist.

Auch eine hinreichende Würdigung des Palasts der Republik, der an dieser Stelle stand, ist nicht gegeben. Dass er sich in einzelnen Spuren im neuen Humboldt-Forum widerspiegelt, wird seiner Bedeutung nicht gerecht.

Hierzu muss jetzt ein Diskussionsprozess stattfinden in Zivilgesellschaft, Wissenschaft und im Parlament. Diese Arbeit ist nicht getan - darüber dürfen auch die Teilöffnungen nicht hinwegtäuschen.“