Statement vom 10.12.2020

Friedrich Ostendorff zum geplanten Treffen zwischen Bauernvertretern und dem Lebensmittelhandel sowie der angekündigten Preiserhöhung für Schweinefleisch von Lidl

Zum geplanten Treffen zwischen Bauernvertretern und dem Lebensmittelhandel sowie der angekündigten Preiserhöhung für Schweinefleisch von Lidl erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

„Seit Jahren nutzt der Lebensmitteleinzelhandel die Marktmacht gegenüber seinen Lieferanten schonungslos aus, die Verarbeitungsindustrie reicht den Preisdruck an die Erzeuger durch. Viele Bäuerinnen und Bauern stehen mit dem Rücken an der Wand, am Ende sind sie die Verlierer des Systems. Jahrelang ignorierten die Landwirtschaftsminister von CDU und CSU das unfaire Verhalten des Handels. Ministerin Klöckner hinkt wie immer hinterher und erkennt erst jetzt, erzwungenermaßen durch die Umsetzung der europäischen UTP-Richtlinie, die prekäre Situation der Erzeuger. Es muss Schluss damit sein, dass die Ministerin das Heft des Handelns allein den Handelsakteuren überlässt.

Die Vorgaben der UTP-Richtlinie müssen strikt und schnell umgesetzt werden, doch damit ist das Thema nicht beendet. Wir brauchen eine Gesetzgebung, die faire Handelspraktiken für alle garantiert. Besonders die Position der Bäuerinnen und Bauern muss deutlich gestärkt werden, aber auch die der handwerklichen Lebensmittelverarbeitung. Gleichzeitig müssen Lebensmittelindustrie- und Handel endlich in die Pflicht genommen werden.

Keinesfalls darf sich Frau Klöckner jetzt von Bekenntnissen zur freiwilligen Selbstverpflichtung, wie kürzlich von der Schwarz-Gruppe vorgeschlagen, blenden lassen. Längst wissen wir, dass im Handel und der Lebensmittelindustrie auf freiwilliger Basis überhaupt keine Verbesserungen zu erwarten sind. Denn im knallharten Geschäft mit unseren Lebensmitteln ist das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns längst Vergangenheit. Ob Discounter oder Genossenschaft, ob zentral oder dezentral organisiert – die Einkaufsabteilungen der Handelsriesen sind längst durchrationalisiert, es geht um jeden Cent.

Da verwundert es umso mehr, dass Lidl jetzt angeblich seine Schweinefleischpreise um einen Euro pro Kilogramm erhöhen will, und die Preiserhöhung direkt an die Bäuerinnen und Bauern weiterreicht. Es kann aber ein erster Schritt in die richtige Richtung sein besonders in existenzbedrohenden Zeiten für die Schweinehalter wie diesen. Jetzt müssen Aldi, EDEKA und REWE mitziehen, sonst hält Lidl das nicht durch.“

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