Statement vom 08.07.2020

Friedrich Ostendorff zur Einrichtung einer Zukunftskommission zur Agrarwirtschaft

Zur Einrichtung einer Zukunftskommission zur Agrarwirtschaft erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

„Die Herausforderungen vor denen die Landwirtschaft steht sind drastisch. Bäuerinnen und Bauern sind jetzt auf eine verbindliche Absprache mit der Gesellschaft dringend angewiesen und müssen wissen, wohin die Reise geht. Es geht um nichts weniger als eine zukunftsfähige Landwirtschaft in Übereinstimmung mit den gesellschaftlichen Erwartungen.

Diesen Herausforderungen wird das Konzept zur Zukunftskommission von Land schafft Verbindung (LSV) und Deutschem Bauernverband (DBV) nicht gerecht. Gerade die wichtigen Fragen, wie eine bäuerliche Agrarstruktur zu erhalten und zu befördern ist, wie eine umfassende Regionalisierung der landwirtschaftlichen Erzeugung und des Verbrauches erreicht werden kann, werden nicht mal erwähnt. Auch die Frage, wie eine radikale Dezentralisierung der Schlachtindustrie und der Fleischverarbeitung umgesetzt werden kann, fehlt. Halbherzige Ankündigungen ohne eine wirkliche Neuausrichtung sind fatal und lösen die Probleme nicht, sondern schreiben sie nur fest. Der Vorsitz hat jetzt eine hohe Verantwortung wirkliche und zukunftweisende Ergebnisse vorzulegen.

Die Aufsetzung der Kommission erscheint uns Grünen sehr industrielastig. Die letzten Corona-Ereignisse haben deutlich gezeigt: Ohne einen Systemwechsel geht es nicht. Wir brauchen die Kehrtwende in der Agrarpolitik und eine zukunftsfähige bäuerliche Landwirtschaft. Wer jetzt noch in Weltmarktführerschaft und weitere Industrialisierung schwelgt, der hat die Dramatik noch nicht verstanden. Wir brauchen eine Regionalisierung und Dezentralisierung unseres Agrarsystems. Das geht nicht mit einer Hochglanzidylle, die Julia Klöckner gerne zeichnet, sondern nur mit einer echten regionalen bäuerlichen Agrarstruktur. Bullerbü auf dem Etikett, aber Tierindustrie in der Verpackung - das geht nicht mehr.“