Statement vom 02.02.2021

Geflügelpest und Videoaufnahmen aus Putenmastanlagen

Zur Geflügelpest und Videoaufnahmen aus Putenmastanlagen des Vorsitzenden des Verbands Deutscher Putenerzeuger (VDP), Thomas Storck, erklären Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik, und Renate Künast, Sprecherin für Ernährungspolitik und Tierschutzpolitik:

Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

„Bei der Putenhaltung liegt in Deutschland vieles sehr im Argen. Während der aktuell grassierenden Geflügelpest dringt das Virus immer wieder in große Putenmastanlagen ein. Dabei müssen oft abertausende Tiere auf einmal gekeult werden. Daher fordern wir eine gesetzliche Begrenzung der Stallkapazität auf 2.500 Tiere, wie es beispielsweise Österreich schon macht. Dringend notwendig ist außerdem eine spezifische Haltungsverordnung für Puten. Dass Puten immer noch ohne Haltungsverordnung gehalten werden, ist absurd und ein klares Versäumnis. Es muss ein verbindlicher Rechtsrahmen her, der eine artgerechte Haltung wirklich sicherstellt.
Die veröffentlichten Videos aus den Ställen von Europas größtem Putenzüchter Thomas Storck sind schockierend. Dass ausgerechnet bei Deutschlands oberstem Putenhalter Storck die Zustände derart katastrophal sind, lässt erahnen, wie es in anderen Ställen zugeht.“

Renate Künast, Sprecherin für Ernährungspolitik und Tierschutzpolitik:

„Wer Tiere in Obhut nimmt, ganz gleich ob es eine Katze, drei Hunde oder 10.000 Puten sind, übernimmt Verantwortung. Das ist der Anspruch des Grundgesetzes und des Tierschutzgesetzes. Es ist ein rechtspolitischer Skandal, wie der Tierschutz von der Tierhaltungsindustrie und ihren Funktionären ignoriert wird.
Das massive Defizit bei der Rechtsdurchsetzung ist nicht mehr hinnehmbar. Wir brauchen endlich einen verbindlichen Rechtsrahmen und massive Veränderungen. Auch kommen wir nicht darum herum, das Tierschutzstrafrechts anzupassen. Die Antwort auf die andauernden Skandale sind nicht irgendwelche freiwillige Maßnahmen und Absichtserklärungen, sondern konkrete Bemühungen zur Durchsetzung des Rechts.

In einer Antwort vom 8. Dezember 2020 auf eine Schriftliche Frage gibt das BMEL an, Gespräche mit den Ländern über Mindestanforderungen zu führen. Wenn selbst in einem Stall des Verbandsvorsitzenden solche katastrophalen Zustände herrschen, ist klar, dass jetzt statt andauernder Gespräche endlich eine klare Verordnung auf dem Tisch liegen muss.“

Renate Künast MdB
Renate Künast
Sprecherin für Ernährungspolitik Sprecherin für Tierschutzpolitik