Statement vom 02.06.2021

Harald Ebner zum nationalen Waldgipfel

Zum nationalen Waldgipfel erklärt Harald Ebner, Sprecher für Waldpolitik:

„Der Wald profitiert weder von intensivierter Holzberäumung aus allen Flächen, noch vom Geld, das die Waldbesitzer:innen allein für das Besitzen von Wald erhalten. Julia Klöckner muss endlich von dem Holzweg runter, Gelder nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen, ohne sie an echte ökologische Kriterien zu binden. Denn für den aktiven Waldumbau mit möglichst viel Jungwuchs und Naturverjüngung über eine große Vielfalt und reichhaltige Ökosysteme ist damit nichts getan. Im Gegenteil: Zu intensive Schadholzberäumung nimmt dem Waldboden wertvolles Startkapital, nämlich organische Substanz zum Bodenaufbau und zur Feuchtigkeitsspeicherung. Das ist eine Hypothek für künftige Wälder.

Was jetzt wirklich nötig ist, hat die große Koalition aber nicht geschafft: die Novellierung des Bundesjagdgesetzes für ein mit Wald und Wild harmonierendes Wildtiermanagement auf Grundlage verbindlicher Vegetationsgutachten. Alle Baumarten sollen auch ungeschützt aufwachsen können. Denn nur vielfältige Waldökosysteme haben die Chance, in der Klimakrise fit zu bleiben. Waldhilfen müssen daher dringend an Kriterien wie mehr Baumartenvielfalt, Naturnähe und schonende Bewirtschaftung gebunden werden. Fichten durch Douglasien in Monokultur zu ersetzen, ist nicht zukunftsfähig.

Gleichzeitig sieht die Bundesregierung tatenlos zu, wie Schnittholzpreise explodieren, die Waldbesitzer:innen aber gleichzeitig extrem schlecht für Rundholz bezahlt werden. Sie hat auch nichts getan, als bei einer beispiellosen Schadholzschwemme Schnittholz am Markt knapp wurde und so der klimafreundliche Holzbau ins Stottern geriet. Dafür hat sie jedoch die massenhafte und unsinnige Verfeuerung von Holz in Großkraftwerken auf den Weg gebracht und so dafür gesorgt, dass der Holzmarkt noch weiter unter Druck gerät.

Geldverteilung allein ist noch kein Maßstab für eine erfolgreiche Waldpolitik. Unser Ziel ist es, dass die Mittel wirken. Öffentliche Gelder darf es nicht für das Besitzen von Wald geben, sondern nur für echte zusätzliche ökologische Leistungen. Nur so kommt der ökologische Umbau hin zu naturnaher Waldwirtschaft schneller voran. Deshalb darf Julia Klöckner dem Ruf der Grundbesitzerverbände nach Geld für die Fläche nicht folgen, sondern muss eine echte Neuausrichtung der Förderprogramme auf den Weg bringen.“

Foto von Harald Ebner MdB
Harald Ebner
Sprecher für Waldpolitik Sprecher für Gentechnik und Bioökonomiepolitik