Statement vom 01.12.2020

Kordula Schulz-Asche zum Barmer-Pflegereport

Zum Barmer-Pflegereport erklärt Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik:

„Der Einsatz von Medikamenten ist Teil der Versorgung von pflegebedürftigen Menschen. Es ist allerdings ein Warnsignal, das wachrütteln sollte, wenn Pflegekräfte selbst immer häufiger nach Medikamenten greifen. Die überdurchschnittliche Verordnungshäufigkeit von Opioiden und Antidepressiva deutet darauf hin, dass viele Pflegekräfte physisch und psychisch überlastet sind. Der Medikationsbedarf ist dabei ein Symptom, die Arbeitsbedingungen sind aber wohl die Ursache.

Wir fordern die Bundesregierung deshalb auf, den Fachkräftemangel in der Pflege endlich entschiedener zu bekämpfen. Wo moderne Pflegekonzepte umgesetzt werden, ist die Arbeitsbelastung geringer. Wo Pflegekräfte nach alters- sowie geschlechtssensiblen Personalkonzepten eingesetzt werden, sinkt die persönliche Arbeitslast, während sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erhöht. Wo wir die immensen Potenziale der Digitalisierung praxisnah nutzen, werden Pflegekräfte stärker entlastet.

Die Finanzierung von bis zu 20.000 Pflegehilfskraftstellen zur Entlastung des Fachpersonals kann nur dann ein Schritt in die richtige Richtung sein, wenn zum einen die Stellen tatsächlich besetzt werden und zum anderen die pflegerischen Tätigkeiten neu geordnet werden. Mehr Personal wird nur dann weiterhelfen, wenn Menschen entsprechend ihrer Ausbildung eingesetzt werden.

Zudem sehen wir mit Sorge, dass bei der Finanzierung der Stellen eine zu lange Zeit eingeräumt wird, bis eine Weiterbildung der Pflegehilfskräfte erfolgen muss. Eine gute Ausbildung, regelmäßige Fortbildungen und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz sind wichtige Bausteine der Gesundheitsvorsorge. Denn nur wer es gelernt hat, kann sich bei der Pflegearbeit auch selbst schützen.“

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher