Statement vom 11.12.2019

Ottmar von Holtz zum Unabhängigkeitsvotum der Pazifikinsel Bougainville

Zum Unabhängigkeitsvotum der Pazifikinsel Bougainville erklärt Ottmar von Holtz, Sprecher für Zivile Krisenprävention:

„Eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung in Bougainville hat für eine Unabhängigkeit von Papua-Neuguinea gestimmt. Die Durchführung dieses Referendums ist der Höhepunkt eines Prozesses, der mit dem Friedensvertrag von 2001 begann und seinen Ursprung im Bürgerkrieg hatte, unter dem die Pazifikinsel von 1988 bis1998 litt. Deshalb ist es sehr erfreulich, dass die Wahlbeteiligung bei rund 85 Prozent lag und die Abstimmung friedlich und inklusiv verlief.

Nun beginnt das nächste Kapitel. Es stehen ausführliche Konsultationen zwischen der Regierung Papua-Neuguineas und der Regierung Bougainvilles an, denn das Referendum ist nicht bindend und muss noch vom Zentralparlament verabschiedet werden.

Deutschland muss seine historische Verantwortung als ehemalige Kolonialmacht im Land ernst nehmen und den weiteren Prozess finanziell und personell unterstützen. Der Weg ist lang und steinig und sowohl die Bevölkerung Bougainvilles und Papua-Neuguineas als auch die internationalen Unterstützer brauchen einen langen Atem. Gerade die Frage der Panguna-Mine wird in nächster Zeit sehr behutsam besprochen werden müssen. Die massiven Umweltschäden und die Folgen für die Gesundheit der lokalen Bevölkerung, die durch den Kupfer- und Silberabbau in der Mine entstanden, waren damals die Ursache für den Bürgerkrieg.

Wichtig ist auch, die Perspektive der Jugend und der Frauen zu berücksichtigen. Im Referendum haben sich Frauen und junge Menschen bereits stark beteiligt: Die Hälfte der Stimmen wurde von Frauen abgegeben und 25 Prozent aller Stimmen kamen von Erstwählenden. Der weitere Prozess muss nun ebenso friedlich und inklusiv bleiben wie die Vorbereitung des Referendums. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurden umfangreiche Dialogprozesse durchgeführt, um der Bevölkerung Zeit und Gelegenheit zu geben, sich eine Meinung über die Konsultationen mit der Zentralregierung zu bilden und diese mittragen zu können. Ähnliche Formate sollten nun von der Bundesregierung in Abstimmung mit der Regierung und Zivilgesellschaft Bougainvilles unterstützt werden."

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