Statement vom 15.09.2020

Steffi Lemke zur Veröffentlichung des UN-Berichtes zum Zustand der Biodiversität auf der Welt

Zum heute von den Vereinten Nationen veröffentlichten Bericht zur Lage der biologischen Vielfalt erklärt Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutzpolitik:

„Ein verlorenes Jahrzehnt für den Schutz der Natur und Biodiversität liegt hinter uns. Das ist der düstere Schluss aus dem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen. Die vor zehn Jahren mit viel Hoffnung von den Vertragsstaaten des Übereinkommens für biologische Vielfalt verabschiedeten Naturschutz-Ziele sind krachend gescheitert. Keines der damals beschlossenen Ziele wurde mit wirksamen Maßnahmen unterlegt und der Zustand der Natur hat sich dramatisch verschlechtert. Auch die Klimakrise setzt unsere Ökosysteme zunehmend unter Druck. Dürre, Waldbrände, das Korallensterben und tauende Permafrostböden zeigen, wie sich diese Krisen wechselseitig verstärken.

Der Bericht ist ein letzter Hilferuf für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen und muss endlich die Warnsirenen laut tönen lassen. Immer noch wird Naturzerstörung durch staatliche Subventionen etwa in der Agrarpolitik politisch gefördert. Es findet weiterhin ein massiver Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen wie Regenwäldern oder marinen Ressourcen statt. Dass in der Bundesregierung Landwirtschafts- und Umweltministerinnen im Dauerclinch liegen, statt Gesetze zum Schutz unserer Lebensgrundlagen auf den Weg zu bringen, ist deprimierend.

Deshalb fordern wir die Bundesregierung und vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, dem Klima- und Naturschutz endlich Priorität einzuräumen und ein Biodiversitäts-Nothilfeprogramm aufzusetzen. Die Bundesregierung muss dafür eine ressortübergreifende Initiative anstoßen und die Scheuklappen in den einzelnen Ressorts abnehmen. Insbesondere Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Initiativen zum Schutz der Biodiversität blockiert und drängt zu oft darauf, partikular Interessen zu bedienen.“

Hintergrund:

Die Konvention der biologischen Vielfalt (CBD) versucht seit einem Vierteljahrhundert durch völkerrechtlich bindende Vereinbarungen die Biodiversität zu schützen, das Artensterben zu stoppen und eine nachhaltige Nutzung einzuleiten. Dazu wurde auf der Vertragsstaatenkonferenz in Nagoya im Jahr 2010 eine ambitionierte Strategie mit den 20 Aichi-Zielen beschlossen, die bis 2020 erreicht werden sollte. Bei der 15. Vertragsstaatenkonferenz der CBD im chinesischen Kunming im Herbst soll ein neues Abkommen mit Zielen und Umsetzungsmechanismen das Arten-Aussterben endlich stoppen. Der heute veröffentlichte „Global Biodiversity Outlook “ ist der Flagship-Report der Konvention und erscheint seit 2001 in regelmäßigen Abständen. Der Bericht trägt die Fakten zur Lage der Natur zusammen und bewertet den Fortschritt bei der Erreichung der Aichi-Targets.

 

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

Steffi Lemke
Parlamentarische Geschäftsführerin Sprecherin für Naturschutzpolitik