Statement vom 15.10.2020

Ulle Schauws, Claudia Müller zur Diskussion um das Führungspositionen-Gesetz

Zur Diskussion um das Führungspositionen-Gesetz erklären Ulle Schauws, Sprecherin für Frauenpolitik, und Claudia Müller, Mittelstandsbeauftragte:

„Es ist gut, dass die Ungeduld der Frauen steigt und die Forderungen immer lauter werden, jetzt endlich den Gesetzentwurf ins Verfahren einzubringen. Ob Giffey sich durchsetzen kann mit ihrem Vorschlag, bleibt abzuwarten. Merkel spricht gerne davon, dass Parität das Ziel sei. Wenn es konkret wird, nutzt sie aber ihre Macht nicht, um endlich in Sachen Gleichstellung voranzukommen. Es wäre bitter nötig, wie aktuelle Zahlen zeigen: Die Corona-Pandemie wirft Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen zurück. Auch in den Führungsetagen der Dax-Vorstände. Der Rückgang von 14,7 Prozent auf 12,8 Prozent kann nicht mit einer normalen Schwankung erklärt werden. Es ist vielmehr das fatale Signal, dass in der deutschen Wirtschaft in Krisenzeiten noch immer nach dem vermeintlich starken Mann gerufen wird. Dabei ist längst durch zahlreiche Studien erwiesen, dass die männliche Monokultur dem dringend notwendigen Modernisierungsschub deutscher Unternehmen entgegensteht. Gemischte Teams und Gremien sind nachweislich erfolgreicher. Aber es fehlt in Deutschland an einer Kultur in den Unternehmen, die dafür sorgt, dass nicht immer nach dem gleichen Schema Posten besetzt werden. Dringend nötig sind kluge Personalentwicklungskonzepte, die Frauen in den Blick nehmen und nachhaltig für eine ausgewogene Abbildung der Lebenswirklichkeit in den Führungsgremien sorgen.

Im internationalen Vergleich wird Deutschland immer weiter abgehängt, was die Repräsentanz von Frauen in Spitzenpositionen anbelangt. Das ist beschämend. Unternehmen, in denen die gesellschaftliche Vielfalt sich auch in Führungspositionen widerspiegelt, sind wirtschaftlich erfolgreicher und sie stellen sich auch nachhaltiger auf. Denn wer aus dem gesamten Pool der Talente schöpft und nicht nur nach männlichen Führungskräften schaut, ist klar im Vorteil. Damit Frauen der Weg frei gemacht wird in die Führungsetagen, brauchen wir eine feste Quote für Vorstandspositionen mit deutlichen Sanktionen. Unternehmen dürfen nicht mehr davonkommen, indem sie sich einfach die Zielgröße ,Null‘ für die Besetzung von Frauen in Unternehmensvorständen geben. Dies ist nach der aktuellen Gesetzeslage jedoch noch möglich. Für die Zielgröße ,Null‘ muss es für die Zukunft heißen ,Null Toleranz‘.“

 

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Foto von Ulle Schauws MdB
Ulle Schauws
Sprecherin für Frauenpolitik Sprecherin für Queerpolitik