Statement vom 09.09.2019

Uwe Kekeritz und Renate Künast zur Einführung des Grünen Knopfes

Zur Einführung des Grünen Knopfes erklären Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik, und Renate Künast:

Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik:

„Der Grüne Knopf wird nicht schaden, doch was bringt er? Das Siegel sorgt für ein mediales Blitzlichtgewitter, aber nicht für bessere Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken. Hierzu bräuchte es endlich ein Gesetz, das die Ausbeutung von Mensch und Umwelt in internationalen Lieferketten verhindert. Statt wie versprochen für faire Arbeitsbedingungen vom Baumwollfeld bis zum Bügel zu sorgen, deckt das Prestigeprojekt von Minister Müller nur wenige Verarbeitungsschritte ab. Ausgerechnet das Thema menschenwürdiger Löhne bleibt außen vor. Dennoch zu behaupten, für faire und nachhaltige Arbeitsbedingungen zu sorgen, ist anmaßend. Hinzu kommt: In der Pilotphase, in der nur ein paar wenige Unternehmen den Grünen Knopf führen werden, kann von Breitenwirksamkeit keine Rede sein. Für die nächsten Schritte gibt es keine Zeit- und Fristpläne, dafür aber etliche große Fragezeichen. Ein Umdenken in der Branche oder gar eine Veränderung des Geschäftsmodells der Fast Fashion wird der Grüne Knopf nicht einleiten. Begrüßenswert ist, dass Unternehmen, die den Grünen Knopf führen wollen, einer Prüfung ihrer Maßnahmen zur Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten unterzogen werden. Sechs Jahre nach der Einsturzkatastrophe der Rana-Plaza-Fabrik in Bangladesch ist dieser kleine Lichtblick jedoch ein mehr als überschaubares Ergebnis.“

 

Renate Künast:

„Fakt ist, um die globalen Textillieferketten fair und sicher zu machen, reichen freiwillige Maßnahmen nicht aus. Sechs Jahre nach Gründung des Textilbündnisses hat Bundesminister Müller kaum etwas vorzuweisen, die Bedingungen in den Textilfabriken sind noch immer verheerend. Deshalb kommt heute noch ein neuer Vorschlag, der Grüne Knopf. Ein freiwilliges Siegel, an dem sich bisher gerade mal 50 deutsche Unternehmen beteiligen. Das ist eine dünne Erfolgsbilanz. In seiner jetzigen Form ist der Grüne Knopf nur Augenwischerei. Seine mageren Kriterien werden nichts daran ändern, dass die Näherinnen in den Fabriken vor Ort zu wenig zum Leben haben.
Denn sie setzen lediglich die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns voraus und die produktbezogenen Kriterien decken nicht die gesamte Kette, sondern nur die letzten beiden Stufen ab. Und für die Verbraucherinnen und Verbraucher wird ein weiteres Textilsiegel zu mehr Verwirrung als Klarheit führen. Wir brauchen jetzt eine europäische Gesetzesinitiative, die die Textilunternehmen endlich in die Pflicht nimmt, Verantwortung für ihre gesamte Liefer- und Wertschöpfungskette zu übernehmen.“

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

Renate Künast
Sprecherin für Ernährungspolitik Sprecherin für Tierschutzpolitik