Statement vom 10.02.2021

Uwe Kekeritz zum Waldschutzprogramm „Adoptiere einen Park“ der brasilianischen Regierung

Zum am Mittwoch gestarteten Waldschutzprogramm „Adoptiere einen Park“ der brasilianischen Regierung erklärt Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik:

„Mit dem gestarteten Programm „Adoptiere einen Park“ zeigt die brasilianische Regierung wieder einmal, dass sie weder willens noch in der Lage dazu ist, die brasilianischen Wälder effektiv zu schützen. Die Bolsonaro-Regierung zerstört den Wald in einem rasanten Tempo und will sich gleichzeitig mit privatfinanzierten Feigenblättern schmücken. Mit diesem billigen Werbegag will die  Regierung anscheinend zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Zum einen soll so der internationalen Kritik hinsichtlich ihrer katastrophalen Waldpolitik begegnet werden, zum anderen zieht sie sich komplett aus der Verantwortung zurück. Unternehmen hingegen haben hier eine medienwirksame Gelegenheit zum eigenen Greenwashing. Doch Waldschutz ist keine freiwillige Charity-Aufgabe. Wälder sind Heimat und Lebensgrundlage vieler Menschen, essenziell für den globalen Klimaschutz und globale Güter, die es zu schützen gilt. Darüber hinaus sind Laufzeiten von einem Jahr für die sogenannte Adoption ein Witz – so kann ein Unternehmen billig seinen Ruf verbessern, danach die Förderung beenden, und das Schutzgebiet kann erneut zerstört werden. Zumal gibt es nicht einmal Zertifikate und Kontrollen, die zumindest für die Laufzeit garantieren, dass der finanzierte Park tatsächlich geschützt wird.

Die Bundesregierung muss im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Kooperation mit Brasilien Aspekte wie ernstgemeinten Waldschutz und die in der Verfassung festgelegte Demarkierung indigener Gebiete zu Bedingungen machen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) muss die Förderung der Agrarindustrie sowie problematischer Instrumente wie das ländliche Umweltkataster CAR kritisch überprüfen. Statt diese fragwürdigen Vorhaben sollte das BMZ enger mit der kritischen Zivilgesellschaft und indigenen Gemeinden zusammenarbeiten.“