Stuhl steht im See
© Roemers/laif

Bedrohte Orte, Bedrohte Arten

Früher, als wir noch Kinder waren, war der Sommer aufregend. Wir stromerten durch Wald und Wiesen oder tauchten in die urwaldwilden Brachen der Stadt ab. Nach der Schule zogen wir los, spielten im Hohlweg Räuber und Gendarm oder beobachteten Kröten, Frösche und anderes gruseliges Getier, das sich in diesem schattigen Dickicht sauwohl fühlte. Wir saßen in den Wiesen und bastelten Blumenkränze oder im Kirschbaum und aßen diese dunkelroten, süßen Früchte, bis wir Bauchschmerzen bekamen. Abends kamen wir mit einem riesigen Strauß Arnika nach Hause, der anschließend nicht in der Vase stand, sondern von den Stengeln befreit, nur mit den Blüten, in Hochprozentigem ertränkt wurde. Nach Wochen im Keller entstand daraus ein Zaubermittel für Verletzungen aller Art.

Heute – einige Jahrzehnte später – ist die Brache bebaut, der Hohlweg eine Straße, auf der Arnikawiese stehen Häuser und auch den Kirschbaum gibt es nicht mehr. Der Ort wuchs, wir bauten Straßen, Häuser, Parkplätze, Supermärkte und die Natur verschwand.

Liest man heute den fünften Bericht des internationalen Gremiums zum Klimaschutz (IPCC) oder auch den neuesten Bericht des Bundesumweltministeriums zur Lage der Natur, so bestätigen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Um unsere Natur steht es schlecht. Zu viel Beton in den Städten, industrialisierte Landwirtschaft, Braunkohleabbau und nicht zuletzt die Klimakatastrophe machen der Natur den Garaus. Tier- und Pfl anzenarten sterben aus. Ganze Landschaften und Orte verschwinden. Weltweit schockieren uns das schmelzende Grönlandeis, der Raubbau am Regenwald, das Korallensterben im Great Barrier Reef oder die Prognosen der Wissenschaft, dass es bald keine Elefanten, Tiger und Gorillas mehr geben wird.

Um das Klima zu schützen und die Vielfalt der Natur zu erhalten, arbeiten wir Grünen im Bundestag seit Jahren an Gesetzesinitiativen und an Konzepten und löchern die Bundesregierung mit Anfragen. Motivation ist für uns die ganz konkrete Situation vor Ort, die Natur, die vor unseren Augen vom Verschwinden bedroht ist. Wir haben für diese Broschüre in unsere Orte und Städte geschaut, die Umgebung erkundet und für jedes Bundesland exemplarisch eine Art, einen Ort und auch eine besondere Kultur abgebildet, die bedroht ist.

Es geht um viel. Es geht um die Natur, die wir zum Leben brauchen. Wir wollen, dass auch unsere Kinder und Kindeskinder weiterhin in der Natur auf Entdeckungsreise gehen und ihre Schönheit und Vielfalt erleben können.

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