Reader: Die neue Wärmewelt

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Energie, Bauen Wohnen Stadtentwicklung

Liebe Leserin, lieber Leser,

Die Energiewende ist eines der größten Modernisierungsprojekte für Wirtschaft und Gesellschaft seit der Nachkriegszeit. Sie bringt uns voran – ökologisch, ökonomisch und demokratisch. Während der Umbau unserer Stromversorgung bereits ein gutes Stück vorangekommen ist und schon ein Drittel des Stromverbrauchs in Deutschland aus erneuerbaren Energien gedeckt wird, tut sich im Wärmemarkt viel zu wenig: Die energetische
Sanierung von Gebäuden verläuft schleppend, der Energiebedarf sinkt nur langsam und der Anteil der erneuerbaren Energien an der Wärmeversorgung stagniert auf niedrigem Niveau. Auf diese Weise sind die Klimaschutzziele unerreichbar.

Nimmt Deutschland den Klimaschutz ernst, dann muss der Gebäudebestand bis spätestens Mitte des Jahrhunderts klimaneutral und die Prozesswärme für die Industrie klimaverträglich gewonnen werden.

Wir Grüne im Bundestag wollen dies erreichen,
indem wir auf 100 Prozent erneuerbare Energien in der Wärmeversorgung umsteigen. Dabei stellen sich Fragen: Wie viel Wärme können wir umweltverträglich und bezahlbar aus erneuerbaren
Quellen gewinnen? Wie stark muss der Wärme-verbrauch abgesenkt werden? Mit welchen Technologien lässt sich der verbleibende Wärmebedarf decken? Und wie sieht die Wärmeversorgung von Wohngebäuden, Gewerbe und Industrie in städtischen und ländlichen Räumen in der Praxis aus?

Um diese Fragen fundiert zu beantworten, hat die grüne Bundestagsfraktion das vorliegende Szenario in Auftrag gegeben. Es soll auf der Basis bisher vorliegenden wissenschaftlichen Studien aufzeigen, wie eine 100 Prozent erneuerbare Wärme-versorgung aussehen kann.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie lauten: Die Umstellung unserer Wärmeversorgung auf 100 Prozent erneuerbare Energien ist möglich – und das schon innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte. Die Technik dafür steht heute schon bereit und ist praxiserprobt. Es wird auf den politischen Willen ankommen, diese Vision nunmehr Schritt für Schritt Wirklichkeit werden zu lassen.

Dr. Anton Hofreiter MdB
Fraktionsvorsitzender

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