Evangelischer Kirchentag"Der vierte Gipfel ist der Kirchentag!"

Die grüne Bundestagsfraktion veranstaltete am Eröffnungsabend des 35. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Stuttgart eine „Parlamentarische Nacht“ unter dem Oberthema „Globale Gerechtigkeit“. AmtsträgerInnen der Kirchen und Religionsgemeinschaften, Verantwortliche und Ehrenamtliche kirchlicher Dienste und Werke kamen dabei über die Arbeit der Fraktion und gemeinsame Arbeitsschwerpunkte ins Gespräch.

Zur Einführung in den Abend sprach Volker Beck, Sprecher für Religionspolitik, über das Motto des diesjährigen Kirchentages „Damit wir klug werden“. Es zeigt vor allem, dass niemand die absolute Wahrheit besitzt. Besonders gilt dies für die Demokratie, die sich durch Freiheit auszeichnet, dadurch aber auch falsche oder unvollständige Entscheidungen treffen kann. Aber zum Wesen der Demokratie gehört eben auch, Fehler zu überwinden. So begann der Kirchentag mit einem Gedenkakt zur Homosexuellen-Verfolgung, was im Sinne der Rehabilitierung verfolgter Homosexueller ein starkes Signal ist, dem die Politik nachfolgen müsse. Im Grundsätzlichen treffen sich Politik, Parlamente und der Kirchentag bei der Frage, wie wir den Verzehr unserer natürlichen Lebensgrundlagen aufhalten können. In diesem Sinne müssen wir alle noch klüger werden.

Mit dieser Reflexion übergab Beck das Wort an die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt. Sie verwies auf das „Gipfeljahr“, das die Bundesregierung ausgerufen hat und das aus drei hochrangigen Gipfeln bestehe, von denen der erste fast zeitgleich in Elmau stattfand. „Der vierte Gipfel ist der Kirchentag!“ erklärte sie. Von den anderen Gipfel unterscheidet er sich dadurch, dass er nicht abgeschottet ist oder vor Demonstrationen geschützt werden muss. Stattdessen redet man hier miteinander über die wichtigen Themen.

Fritz Kuhn, grüner Oberbürgermeister von Stuttgart und früherer Fraktionsvorsitzender der grünen Bundestagsfraktion, betonte anschließend, wie sehr er den Kirchentag in Stuttgart begrüßt: „Der Schlossplatz, auf den wir von hier blicken, ist einer der schönsten Plätze Europas!“ Allen Anwesenden wünschte er, dass sie in diesen Tagen klüger werden.

Winfried Kretschmann, grüner Ministerpräsident von Baden-Württemberg, erklärte mit Blick auf die fortgeschrittene Stunde: Während der ordentliche Protestant um diese Uhrzeit schläft, damit er am nächsten Morgen seinem Tagewerk nachgehen könne, ende beim Karthäuser-Orden die Nacht um 23:30 Uhr mit dem nächtlichen Stundengebet. So unterschiedlich werde also die gemeinsame christliche Tradition in den verschiedenen Konfessionen ausgelegt. Übertragen auf die Besucherinnen und Besucher des Kirchentages wünschte sich Kretschmann, dass durch den Besuch in Stuttgart Vorurteile über Schwaben und Baden überwunden werden. Kirchentage seien grün, fuhr er fort, was sich exemplarisch am Begriff der Bewahrung der Schöpfung zeigt, der in beiden Zusammenhängen eine wichtige Rolle spielt. Die Liebe zur Natur ist wichtig, gab zum Schluss mit auf den Weg.

Sechs weitere Abgeordnete aus der Bundestagsfraktion füllten das Thema der „Globalen Gerechtigkeit“ in anschließenden Tischgesprächen mit den Gästen mit Leben: Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Claudia Roth, Cem Özdemir, Harald Ebner mit der programmatischen Aussage: „Gentechnik macht nicht satt!“, Uwe Kekeritz mit der Frage, ob Staatsinsolvenzen eine Antwort sein können, Sylvia Kotting-Uhl, die die Energiewende als Chance versteht, und Omid Nouripour, der sich fragt, ob die Klimakrise eine Friedensbedrohung darstellt.

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