KatholikentagGrenzen überwinden

Wenn das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) alle zwei Jahre einen Katholikentag veranstaltet, ist es seit langem guter Brauch, dass die grüne Bundestagsfraktion am Eröffnungsabend – in diesem Jahr am 25. Mai – eine „Parlamentarische Nacht“ veranstaltet. Sie stand unter dem Titel „Grenzen überwinden“.

Eingeladen war ins „Museum der bildenden Künste“, und der Einladung gefolgt sind etwa 250 Gäste aus verschiedenen kirchlichen und politischen Zusammenhängen. Mit Prof. Dr. Thomas Sternberg war der neu gewählte Präsident des ZdK anwesend und sprach ein Grußwort. Neben Dr. Heiner Koch, dem Erzbischof von Berlin, und dem griechisch-orthodoxen Metropoliten Augoustinos von Deutschland waren zahlreiche VertreterInnen der Kirchen vor Ort, und mit Kerstin Griese und Dr. Franz Josef Jung konnte Volker Beck, Sprecher für Religionspolitik, seine „Amtsgeschwister“ begrüßen, die Beauftragten für Kirchen und Religionsgemeinschaften der Fraktionen SPD sowie CDU/CSU im Deutschen Bundestag.

Beck beglückwünschte den Katholikentag zu seiner 100. Auflage. Der Begriff „katholisch“ stamme ja bekanntlich aus dem griechischen und bedeute „allumfassend, universal“. In diesem Sinne seien die Grünen auch eine katholische Partei, denn das Motto der Bundestagsfraktion laute: „Uns geht’s ums Ganze“. Beck ging dann auf das Motto des Katholikentags ein: „Seht, da ist der Mensch!“ Und wer sehe angesichts der aktuellen politischen Debatte nicht einen Geflüchteten vor sich? Die Botschaft, die von diesem Katholikentag ausgehe, könne aktueller nicht sein.

Thomas Sternberg stellte in seinem anschließenden Grußwort fest, dass nicht immer Freundschaft zwischen dem ZdK und den Grünen gewesen sei. Diese Zeit sei aber vorbei, mittlerweile gebe es viele grüne Politikerinnen und Politiker im ZdK. In Österreich gebe es jetzt sogar einen grünen Bundespräsidenten, und das sei für Europa ein gutes Signal, denn van der Bellen sei jemand, der wisse, wie es sei, andere Wurzeln zu haben: Seine Vorfahren stammten aus Holland, seine Familie lebte bis 1941 in Estland.

Katholiken seien die größte soziologisch beschreibbare Gruppe in Europa, fuhr Sternberg fort, aber man wisse viel zu wenig voneinander in den einzelnen Ländern. Daran werde man arbeiten müssen. Insbesondere das Verhältnis zu Polen gelte es zu stärken, habe doch der Briefwechsel der beiden Bischofskonferenzen 1965 zur Versöhnung beider Länder nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich beigetragen. In dieser Verantwortung stehe man, und den Austausch zu Polen müsse man neu beleben.

Auch der Umgang mit dem Islam beschäftige das ZdK. Der bei der vorangegangenen Vollversammlung verabschiedete Text: „Keine Gewalt im Namen Gottes!“ sei als „Beitrag der Wohlmeinenden“ kommentiert worden. Das stimme, aber er gewinne Gewicht durch die Tatsache, dass er auch von namhaften Vertreterinnen und Vertretern der christlichen und islamischen Theologie erarbeitet worden sei.

Die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt verwies in ihrer anschließenden Rede auf den Veranstaltungsort Leipzig und seine besondere Bedeutung, weil von ihm mit der friedlichen Revolution 1989 eine große Veränderung für Deutschland ausgegangen sei. Auch heute spüre sie wieder eine große Veränderung, die mit der Aufnahme der Geflüchteten zu tun habe. Ihr Wunsch sei, dass diese Veränderung gelinge. Dabei dankte Sie – stellvertretend für alle Aktiven – den Anwesenden für ihr Engagement und ihre klare Haltung. Der Katholikentag setze damit wichtige Zeichen. Integration geschehe jedoch zu Hause. Und zu gelungener Integration gehöre auch das Angebot eines geistlichen Zuhauses.

Abschließend begrüßte Volker Beck die grünen Abgeordneten, die mit ihren Themen die „Parlamentarische Nacht“ bereicherten: Uwe Kekeritz, Monika Lazar und Kordula Schulz-Asche, und bat um ausführliche Nutzung der Möglichkeit, mit den Fachleuten der Fraktion für Entwicklungspolitik, Strategien gegen Rechtsextremismus sowie für bürgerschaftliches Engagement ins Gespräch zu kommen. Nach den Wünschen Becks für einen schönen Abend und gute Gespräche waren die „AnsprechBars“ der Abgeordneten schnell gut besucht.

Die „Nacht“ wurde begleitet von der Gruppe „Swing Delikatessen“, die mit Trompete, Tenorsax, Flöte und Kontrabass stimmungsvolle Interpretationen von Liedern verschiedenster Epochen und Stilrichtungen vortrugen.

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