Katholikentag"Vor die Brücke gehört ein offenes Tor!"

Zur „Parlamentarischen Nacht“ lud die Bundestagsfraktion beim diesjährigen 99. Deutschen Katholikentag in Regensburg ein, um über ihre politische Arbeit zu informieren und die Diskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der Amtskirchen und der kirchlichen Laienorganisationen über gemeinsame Kernthemen zu vertiefen. 220 geladene Gäste kamen am späten Abend des 28. Mai in den Salzstadel an der „Steinernen Brücke“.

Volker Beck, Sprecher der Fraktion für Religionspolitik begrüßte die zahlreichen Gäste, unter ihnen der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Alois Glück, der Ortsbischof von Regensburg Rudolf Voderholzer sowie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx. Auch Metropolit Augoustinos von der Griechisch-Orthodoxen Metropolie Deutschlands, die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und der dritte Bürgermeister von Regensburg, Jürgen Huber, hatten sich eingefunden.

Nach dieser Begrüßung hielt Bischof Voderholzer ein kurzes Grußwort, in dem er darauf aufmerksam machte, dass grün auch eine liturgische Farbe sei, die Farbe des Jahreskreises außerhalb der Festzeiten. In dieser Zeit sei die Hoffnung die Grundstimmung der Christinnen und Christen. Er verwies auf die Rede des zwischenzeitlich emeritierten Papstes Benedikt XVI. am 22.09.2011 im Deutschen Bundestag, wo jener die Grünen dafür lobte, dass sie frische Luft in die politische Landschaft gebracht hätten. Die Sensibilität für Natur und Mensch zeichne die Grünen aus, grün sei die Farbe des Lebens. Auch die Kirchen, so schloss Voderholzer, stellten den Menschen in den Mittelpunkt, sie seien Lobbyisten des Lebens unter allen Umständen.

Die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt nahm in ihrer anschließenden Rede den Bezug auf den Papst gerne auf und verwies auf den aktuellen Papst Franziskus, der sich selbst als Papst der Armen und Ausgegrenzten verstehe. Sie sei sehr dankbar für die klaren Worte zu den Flüchtlingen, die er unter anderem auf Lampedusa geäußert hatte. Größere Freiheit und Wohlstand dürften nicht zu Gleichgültigkeit führen. Vor dem Hintergrund wachsender individueller Freiheit müssten aber sowohl Politik als auch Kirche den Wunsch vieler Menschen nach Stabilität und Orientierung ernstnehmen. Populismus sei dabei eine große Herausforderung, weil er die Vielfalt der Lebensformen negiere und die Freiheit der Vielen gegen die Freiheit der Minderheiten ausspiele. Der Dialogprozess innerhalb der katholischen Kirche sei ein gutes Beispiel für die Verbindung von Freiheit und Festigkeit, denn ohne Vielfalt und Freiheit sei ein zukunftsfähiges Miteinander nicht möglich. Unter Verweis auf das Motto des Katholikentages: „Mit Christus Brücken bauen“ stellte Göring-Eckardt fest: „Es muss eine Heimat geben für alle. Vor die Brücke gehört ein offenes Tor!“ Denn eine Brücke baue man nur, wenn man wisse, dass auf der anderen Seite noch etwas ist, das zu erreichen sich lohne.

In den anschließenden Tischgesprächen stellten sich Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik, Dieter Janecek, Sprecher für Wirtschaftspolitik, und Beate Müller-Gemmeke, Sprecherin für ArbeitnehmerInnenrechte, den zahlreichen interessierten Fragen der anwesenden Gäste.

Zum Gelingen des Abends trug die musikalische Unterstützung durch das Regensburger Quintett Cheers! mit Swing-Jazz Bossanova bei, was der „Parlamentarischen Nacht“ die nötige Leichtigkeit gab, sich in ungezwungener Atmosphäre auszutauschen.

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