Gutachten RentenversicherungBesser als ihr Ruf

Die Regierungskoalition sollte aufhören, die gesetzliche Rentenversicherung mit populistischen Schnellschüssen weiter zu beschädigen und daran arbeiten, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in dieses Fundament der sozialen Sicherung für das Alter wieder herzustellen. Das erreicht man nur, wenn man glaubwürdige Angebote macht.

Die Rentenversicherung ist besser als ihr Ruf

Rentenniveau und Beitragssatz können stabilisiert werden. Es ist wichtig, heute ehrlich über das Jahr 2030 hinaus zu blicken. Wir haben aus diesem Grund vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ein Gutachten erstellen lassen:

Das Gutachten zeigt:

  • Der Beitragssatz steigt langfristig weniger bedrohlich als bisweilen angenommen, durchbräche aber trotzdem deutlich die für 2030 gesetzte Schwelle von 22 Prozentpunkten.
  • Das Rentenniveau würde Schritt für Schritt so tief sinken, dass mit einem Legitimationsproblem für die Rentenversicherung zu rechnen wäre: Auch für Beschäftigte mit langen Erwerbszeiten würde es immer schwieriger werden, eine existenzsichernde Rente aufzubauen.

Das kann nicht zufriedenstellen.

Höchste Zeit zu handeln

Die Versicherten müssen wieder darauf vertrauen dürfen, dass die Rentenversicherung viel zu bieten hat. Es braucht ein neues Sicherungsversprechen: Die Rente ist finanzierbar.

Das DIW hat in unserem Auftrag berechnet, welche Wirkungen sich erzielen ließen, wenn unsere Reformansätze umgesetzt werden.

  • Mit einer Grünen Bürgerversicherung in der Rente ließe sich eine starke positive Wirkung auf Rentenniveau und Beitragssatz erreichen. Ein großer Teil der Selbstständigen ist nach geltendem Recht nicht obligatorisch versichert. Sie gehören also weder der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV), noch einem Versorgungswerk der freien Berufe oder der Alterssicherung der Landwirte an. Sie sind damit auch nicht wirksam vor Armut geschützt. Durch die Einbeziehung der nicht anderweitig abgesicherten Selbständigen ließe sich ihre Absicherung verbessern und zugleich eine positive Wirkung auf Beitragssatz und Rentenniveau erzielen.
  • Eine deutliche Ausweitung der Erwerbstätigkeit von Frauen hätte sehr positive Wirkungen. Das DIW hat in diesem Kontext zwei Szenarien berechnet: Entwickelt sich die Partizipation von Frauen am Arbeitsmarkt in der Geschwindigkeit der vergangenen zehn Jahre fort, ist der Effekt auf den Beitragssatz und das Rentenniveau zwar begrenzt. Wenn es allerdings gelänge, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass Frauen sich im Berufsleben genauso verwirklichen könnten wie Männer, hätte dies sehr deutliche Effekte – auch auf die Absicherung von Frauen.

Wie würde sich der Anstieg des Beitragssatzes auf die Beschäftigtenquote auswirken? Das Gutachten prognostiziert hier im Mittel einen Verlust von 60.000 bis 80.000 Stellen. Das Gutachten unterscheidet hier zudem zwischen hoch- und geringqualifizierten Tätigkeiten und bietet damit Ansätze für politische Gegenmaßnahmen – etwa der gezielten Entlastung geringer Einkommen von Sozialabgaben.

Erste Schlussfolgerungen

  • Wir wollen, dass unser Rentensystem auch zukünftig Altersarmut zuverlässig vermeidet und im Zusammenspiel der drei Säulen den Lebensstandard sichert; mit einer gestärkten gesetzlichen Rente, einer breiteren Inanspruchnahme der Betriebsrente und einer reformierten privaten geförderten Altersvorsorge.
  • Das Gutachten zeigt: Mit der Grünen Bürgerversicherung in der Rente und der Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen ist eine Stabilisierung des Rentenniveaus geschlechter- und generationengerecht finanzierbar. Darüber hinaus bieten sich mit Blick auf die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt weitere Potentiale zur Sicherung der Finanzierung der Rentenversicherung. Als Ultima Ratio könnte längerfristig ein moderater Beitragssatzanstieg zur Stabilisierung der Rentenversicherung beitragen. Dies muss aber im Zusammenhang mit allen Sozialversicherungssystemen und den wirtschaftspolitischen Gegebenheiten beurteilt werden.

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2 Kommentare
Beamte...
Peter Hansen 05.05.2016

Sollten nicht alle in ein gesetzliches System einzahlen und gleich gute oder auch schlechte Renten beziehen. Beamte müssen auch in das gesetzliche System, wenn es die Selbständigen müssen.
Dann muss die Allgemeinheit auch nicht die exorbitant hohen Lasten der Pensionen tragen, die viel höher sind als eine normale Rente, trotz privater Krankenversicherung.

Wonach berechnen Sie den Reichtum eines Landes ?
Dr. Horst Denzer 10.05.2016

1) nach BIP oder BIP pro Kopf ?
2) nach Zahl der Millionäre und Milliardäre ?
3) mit oder ohne Staatsverschuldung ?
4) nach Gesamtkapital oder nur Geldkapital ?
5) nach anderen Kriterien ?
Je nachdem, wofür Sie sich entscheiden, sieht das Ergebnis unterschiedlich aus !

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