Fachgespräch40 Jahre DDR-Zwangsdoping

DDR-Leichtathletinnen Wodars und Wachtel bei der WM 1987 in Rom.

Die Situation der Dopinggeschädigten des DDR-Sportsystems bleibt für die grüne Bundestagsfraktion ein sportpolitischer Schwerpunkt. Am 1.Dezember informierten wir uns bei einem öffentlichen Fachgespräch über die Situation von Geschädigten des DDR-Dopingsystems. „Wir wollen eine schnelle Hilfe für Dopingopfer und fordern die Einbeziehung von dopinggeschädigten ehemaligen DDR-Sportlerinnen und Sportler in das Gesetz zur SED-Unrechtsbereinigung“, so äußerte sich Monika Lazar, zuständige Sportpolitikerin der Bundestagsfraktion .Auch Silke Gajek, zuständige Abgeordnete der grünen Fraktion im Landtag in Mecklenburg-Vorpommern nahm an dem Gespräch teil.

Historischer Hintergrund

Am 23.Oktober 1974 hat die DDR-Leistungssportkommission, besetzt mit SED-Vertretern und Sportfunktionären, das konspirative staatliche Dopingsystem beschlossen. Die darauf folgende 15-jährige systematische Dopingforschung und -anwendung ist heute insbesondere durch Straf- und Ermittlungsverfahren, historische Forschung, die Erkenntnisse aus den Stasi-Akten, journalistische Recherche sowie durch Zeitzeugenberichte hinreichend belegt. Im Jahr 2000 wurden im Berliner Strafprozess Täter des DDR-Dopingsystems wie Manfred Ewald und Manfred Höppner zu Bewährungsstrafen verurteilt. 2003 wurde eine einmalige humanitäre Hilfe der öffentlichen Hand für DDR-Dopingopfer gewährt. Dies ist jedoch nicht ausreichend. Aus unserer Sicht steht fest: Bleibende gesundheitliche Schäden verlangen auch bleibende finanzielle Hilfen. Daher setzen wir Grünen im Bundestag uns auch weiterhin für eine monatliche Rente für DDR-Dopingopfer ein.

Verein Doping Opfer Hilfe: Bisher 700 Personen haben sich gemeldet

Nach Darstellung von Ines Geipel, Vorsitzende des Vereins Doping-Opfer Hilfe e.V. (DOH) in Berlin, hätten sich seit Beginn der DOH-Tätigkeit in den Räumen der Berliner Robert-Havemann-Stiftung mehr als 700 Personen gemeldet, um sich beraten zu lassen . Der DOH könne zwar als Ansprechpartner und Navigator für die zahlreichen Betroffenen dienen, der ehrenamtliche Verein habe jedoch eine Kapazitätsgrenze in seinem Beratungsangebot erreicht. „Es muss daher jetzt konkret durch Sport und Politik etwas geschehen, denn die finanzielle Förderung der Beratungsstelle durch das Bundesinnenministerium ist nicht ausreichend.“ Besorgniserregend sei zudem, dass sich immer häufiger ehemalige Sportlerinnen und Sportler aus der Transformationsphase des deutschen-deutschen Sports nach 1989 meldeten. Es zeige sich, so Ines Geipel, dass dem organisierten Sport in Deutschland die Idee eines gesunden Spitzensport bis heute fehle: „man hat eine Glaubenserzählung der vermeintlichen Werte.“

Geschädigte berichten

Die anwesenden Gäste hatten ebenfalls die Möglichkeit, sich in die Diskussion einzubringen. Wortmeldungen von ehemaligen Sportlerinnen und Sportlern gingen dabei überwiegend in die gleiche Richtung: Die heutigen gesundheitlichen Schäden durch Doping sind schwerwiegend. Beschämend sei darüber hinaus der Umgang in den Sozialbehörden mit den daraus resultierenden Problemen. Die ehemalige Ruderin Cornelia Reichhelm schilderte anschaulich ihre negativen Erfahrungen beim seit Jahren andauernden Gang durch die Bürokratie. Uwe Trömer, ehemaliger erfolgreicher Bahnradfahrer, zitierte aus einem ihm vorliegenden ärztlichen Gutachten von 1984, in dem ihm der „Zusammenhang zwischen gesundheitlicher Schädigung und ausgeübter sportlicher Tätigkeit“ bescheinigt worden sei. Damit sei, so Trömer, die von Sozialbehörden häufig abgelehnte Kausalität von Dopingmitteln und Gesundheitsschäden eindeutig belegt.

Fazit: Forderungen an Sport und Politik

Monika Lazar dankte in ihrem Fazit den Anwesenden für ihre anschaulichen und überzeugenden Darstellungen. Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen werde ihre Forderungen in Richtung der Sportorganisationen intensivieren, damit sich der Sport endlich seiner Verantwortung stelle. „Es kann nicht sein, dass der Sport mit Sporterfolgen aus der Vergangenheit glänzen möchte, sich aber gleichzeitig immer noch aus der Dopingopferproblematik heraushält“, fand Monika Lazar deutliche Worte zur Untätigkeit der Sportorganisationen in Deutschland. Man werde jetzt von grüner Seite erneut das fraktionsübergreifende Gespräch mit den anderen politischen Kräften im Deutschen Bundestag suchen. Einig waren sich die Diskussionsteilnehmerinnen, dass es zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands im Jubiläumsjahr 2015 endlich eine sportpolitische Regelung zugunsten der Dopingopfer des kriminellen DDR-Dopingsystems geben müsse.

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