FIFA-KorruptionsskandalAufklärung auch in Deutschland voranbringen

Joseph S. Blatter hält Zettel mit "Katar" hoch. Neben ihm steht der WM-Pokal

Dass sich Bundesjustizminister Heiko Maas und Sportminister Thomas de Maiziere kritisch zum FIFA-Korruptionsskandal äußern, war aus unserer Sicht überfällig. Statt markiger Worte sollten sich beide Minister jedoch auch auf ihre politischen Aufgaben fokussieren. Denn wir brauchen Klarheit und deutliche Worte auch bei den möglichen sportpolitischen Implikationen des FIFA-Skandals in Deutschland. Skandalumtoste Funktionäre im Weltfußball und im Sportbusiness dürfen nicht vom Handlungsspielfeld in Deutschland ablenken.

Auch Deutschlands Sportrechtemarkt ist anfällig

Beispielsweise stellt sich die Frage, in welchem Umfang auch TV- und Marketingrechte in Deutschland und auf dem europäischen Sportrechtemarkt von Korruption betroffen sind. Denn es ist zu vermuten, dass die umfassende Anklage der US-Behörden vom 20. Mai 2015 gegen hochrangige Fußballfunktionäre nur die Spitze des Eisberges ist. Schmiergeldzahlungen im Weltsport sind seit Jahren bekannt und gerichtsfest in der Schweiz belegt. Korruption ist nicht auf Kontinente beschränkt. Aber ermittelt wurde in Deutschland nicht.

Internationale Lösungen anpacken

Wir fordern daher die Bundesregierung auf, schnellstmöglich im europäischen Rahmen und bilateral mit der Schweiz die notwendigen Gespräche aufnehmen, um den nicht mehr zeitgemäßen Vereinsstatus der FIFA und anderer Weltsportverbände zu überprüfen. Denn längst sind Sportorganisationen mit ihren Milliardenumsätzen zu kommerziellen Unternehmen geworden. Abgesenkte Steuersätze in der Schweiz und Steuerbefreiungen bei Sportgroßveranstaltungen sind nicht mehr zeitgemäß und gehen an der Realität des kommerziellen Dienstleistungszweiges Sport vorbei.

Bundesregierung halbherzig

Fragwürdig bleibt auch die zögerliche Haltung der Bundesregierung, wenn es um die Vorlage eines Gesetzes gegen Spielmanipulationen in Deutschland geht. Spätestens seit den Wettskandalen im deutschen und internationalen Fußball seit 2005 steht fest, dass Gesetze in Deutschland angepasst und Präventionsmaßnahmen vorangebracht werden müssen. Die Vorlage eines Anti-Doping-Gesetzes mit harten Straftatbeständen gegen Sportlerinnen und Sportlern zeigt, dass die Bundesregierung hier einseitig mit der Strafkeule schwingt, aber bei den großen Fischen im Weltsportbusiness die Angelrute einzieht.

Unser Konzept gegen Korruption im internationalen Sport

Für uns ist die internationale Sportpolitik ein Schwerpunktthema. Wir haben mit unserem Konzept für mehr Glaubwürdigkeit und Transparenz sowie für nachhaltige Sportgroßveranstaltungen langfristige Lösungsvorschläge vorgelegt (Bundestagsantrag 18/3556).

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4 Kommentare
N.N. 30.05.2015

Kommentar auf Wunsch des Benutzers gelöscht. Die Redaktion.

Gähn 30.05.2015

Wenn es einen großen Skandal gibt, kann man die Uhr daach stellen, wann die PR-Abteilungen der Parteien das Thema aufgreifen, um die eigene Profilierung voranzutreiben. Die Meinung der Grünen interessiert dabei eh nicht, denn sie haben schon lange keine Meinung mehr und äffen nur noch das aktuelle Medienspektakel nach, von dem sich Leute mit Hirn eh schon lange abgewendet haben. Wenn Politikmenschen sich über Korruption aufregen, kann man echt nur noch trocken hüsteln, so lächerlich ist das.

Blatters Geschäftsmodell des Monopolisten FIFA zerstören!
akademischer Realist 30.05.2015

FIFA ist ADAC 2.0!

1,5 Mrd. €/anno für TV-Lizenzen, Sponsoren & Merchandising erhält die FIFA für die WM. Daraus speist Blatter seinen korrupten Stimmenkauf aus irrelevanten Staaten. WM funktioniert nur mit Ex-Weltmeistern aus UEFA, Brasilien&Argentinien. Der Rest ist Beiwerk.
Ein Open UEFA-Cup als Konkurrenz wäre für alle interessanter!

UEFA hat die Macht, die FIFA zu reformieren oder eine Alternative zu gründen.

Die Ehrenamtlichen im DFB haben ein Recht auf Idole, die Transparenz, Menschenrechte, Fairness, Solidarität und Ehrlichkeit vorleben.

Politiker liefert Konzepte & überzeugt die Vereinsbasis, damit die Spitzenfunktionäre EU-weit handeln für moderne Weltverbände!

Merkwürdig...
Gast 01.06.2015

Merkwürdig, kaum erwägt die FIFA die Sanktionierung Israels wegen der Menschenrechtsverletzungen gegen die Palestinenser, da ist plötzlich die jahrzehntelang geduldete Korruption bei der FIFA plötzlich ein "No Go".

Und alle blasen ins gleiche Horn und machen mit. Politiker, Medien, Behörden - und zwar weltweit.

Ein Glück dass Medien, Politik usw. so frei und demokratisch sind und niemand im Hintergrund irgendwelche Strippen zieht. :-)

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