Haushalt 2016Entschädigung für DDR-Dopingopfer

DDR-Leichtathletinnen Wodars und Wachtel bei der WM 1987 in Rom.

Die Haushaltsverhandlungen für 2016 stehen kurz vor dem Abschluss. Auch wegen der Beharrlichkeit der grünen Bundestagsfraktion hat sich die Regierungskoalition erst in letzter Minute entschlossen, einen Fonds für die DDR-Dopingopfer einzurichten. Was wir schon seit Jahren fordern, tritt nun endlich ein:

Die damals minderjährigen Opfer des DDR-Zwangsdopings bekommen eine Entschädigungszahlung.

Insgesamt sollen über zwei Jahre 10 Millionen Euro vom Bund bereitgestellt werden. Anspruchsberechtigten stehen demnach etwa 10.000 Euro zu. Der vom Bund finanzierte Doping-Opfer-Hilfeverein geht von 1.000 ehemaligen Sportlerinnen und Sportlern aus, die zum Zeitpunkt der Dopingabgabe minderjährig waren und heute unter schwersten körperlichen wie seelischen Schäden leiden.

Dabei darf es nicht bleiben

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) muss nun als Rechtsnachfolger des DDR-Sportsystems ebenfalls Verantwortung übernehmen und seinen finanziellen Beitrag leisten. In dieser Frage duckt sich der DOSB bisher weg. Mit dem nun eingerichteten Fonds ist das nicht mehr möglich.

Unsere Forderung

Der DOSB muss die Leiden der Dopingopfer anerkennen und er muss sich am Fonds substantiell beteiligen.

Es ist nicht das erste Mal, dass DDR-Dopingopfer eine Entschädigung erhalten. Unter Rot-Grün hatte es im Jahr 2002 bereits das „Dopingopfer-Hilfegesetz“ als Grundlage eines Fonds gegeben, aus dem insgesamt 194 Anspruchsberechtigte eine ähnliche Entschädigung erhalten hatten wie im nun beschlossenen Fonds. Die Empfänger von damals haben keinen Anspruch auf Mittel aus dem neuen Topf. Im Zuge eines gerichtlichen Vergleichs hatte seinerzeit der Sport gemeinsam mit Jenapharm Entschädigungen an die Opfer gezahlt. Als Rechtsnachfolger des DDR-Pharmakonzerns hatte Jenapharm das Oral-Turinabol und andere Dopingpräparate hergestellt.

Natürlich sind die Zahlungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Sie ersetzen nicht die Notwendigkeit einer dauerhaften Rentenzahlung, etwa nach dem Opferentschädigungsgesetz.

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