SportlärmKinderlärm von Sportanlagen

Städtische Sportanlage für Fußball und Basketball, dahinter und daneben Wohnhäuser
Kinderlärm wird von anderem Lärm unterschieden. Aber nicht auf dem Sportplatz. Da wird Kindern das Spielen verboten, weil in den Regeln zwischen Kindern und Erwachsenen nicht unterschieden wird. Das muss geändert werden.

Sport und Alltag verbinden, dies war die Forderung in unserem Antrag vor zwei Jahren. Dazu wollten wir die 25 Jahre alte Sportanlagenlärmschutzverordnung (SALVO) den heutigen Anforderungen anpassen.

In 25 Jahren ist viel geschehen

So gibt es neue Regelungen wie die rechtliche Klarstellung, dass Kinderlärm kein Lärm im Sinne des Gesetzes ist. Diese Regel gilt aber nicht bei Sportanlagen. Es gibt geänderte Arbeitszeiten und daraus folgend ein verändertes Freizeitverhalten, unter anderem bedingt durch die Ladenöffnungszeiten und der Entwicklung der Ganztagsschulen. Auch der Boom der Mädchensportmannschaften hat zur stärkeren Nutzung der Sportanlagen geführt. Daneben gibt es neue technische Möglichkeiten sowohl zur Lärmfeststellung als auch zur Lärmminimierung, wie beispielsweise die Entwicklung des Kunstrasens. Eingebettet ist dieses alles in einen Wandel in den Städten, durch eine an die Sportanlagen heranrückende Wohnbebauung.

Bestehende Konflikte

Diese Mischung führte dazu, dass die Sportvereine immer mehr unter Druck geraten. Folge sind vielfältige Nutzungseinschränkungen aufgrund von Beschwerden oder Klagen einiger weniger Anwohner. In der Regel geht es darum, die Vorteile einer Sportanlage in der Nachbarschaft, wie freie Flächen, sehr ruhige Nacht- und Morgenstunden sowie der in der Regel grünen Umgebung auch tagsüber und abends genießen zu wollen.

Paradebeispiel dafür ist die Umwandlung von wenig genutzten Ascheplätze in Kunstrasenplätze. In vielen Vereinen wurden diese Plätze, wenn möglich, gemieden und nur zu bestimmten Jahreszeiten beziehungsweise Witterungsbedingungen genutzt. Dieses war weder effizient, noch war es durch den Boom von Kindermannschaften, insbesondere beim Fußball, weiter vertretbar, diese Plätze im Dornröschenschlaf zu lassen. Wohnortnahe Sportplätze wurden gesucht. Nach einer Umwandlung ist es dann mit der nur gelegentlichen Nutzung und der gewohnten Ruhe für die Anwohner vorbei. In der Folge führen dann Anwohnerbeschwerden zu Nutzungseinschränkungen.

Der Sport muss Planungsfehler ausbaden

Die neuen Verhältnisse führten dazu, dass Abstände zwischen Wohnen und Sport oft zu gering ausgelegt wurden. Die rechtlichen Vorgaben sorgen dann dafür, dass die Sportanlagen nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden durften. Beispiele sind in der Stellungnahme des Landessportbundes Berlin aufgeführt, die zur Anhörung im Bundestag am 23.01.17 eingereicht wurde. Als Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen wollen wir aber, dass die öffentlichen Mittel, die für die Sportanlagen ausgegeben werden auch sinnvoll und effizient genutzt werden. Sport hat in unserer Gesellschaft sehr wichtige Funktionen, die es zu fördern gilt. Er ist gut für die Gesundheit, er fördert die gesellschaftliche Integration und führt Menschen aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten zusammen. Er ist wichtig für die soziale und körperliche Entwicklung von Kindern. Deswegen ist es uns ein wichtiges Anliegen, dass alle Menschen in Deutschland die Möglichkeit haben, sich in ihrem Umfeld sportlich zu betätigen. Wir halten es für falsch, wenn Sport nur noch in privaten Clubs oder Hallen möglich wären.

Drei grüne Vorschläge:

  1. Kinderlärm auf Sportanlagen soll nach unseren Vorstellungen nicht in die Lärmberechnung einbezogen werden und dadurch nicht zu Nutzungseinschränkungen führen. Dieses haben wir in einem Gesetzesvorschlag genauer ausgeführt. Er sollte nach unseren Vorstellungen Kinderlärm von Kinderspielplätzen gleichgestellt.
  2. Die Umwandlung oder der Umbau von Sportanlagen darf nicht dazu führen, dass die Anlagen ihren bisherigen Status verlieren. Deshalb wollen wir, dass der sogenannte Altanlagenbonus auch in diesen Fällen weiter gilt.
  3. Wir haben angeregt, dass die Ruhezeiten in der SALVO den geänderten Freizeitverhalten und damit den allgemein gültigen Regelungen angepasst werden. Wir wollen nicht, dass der Sport hier weiterhin mit Sonderregelungen belastet wird.

Was ändert die Bundesregierung?

Nach zwei Jahren Überlegungen hat die Bundesregierung nun einen Vorschlag vorgelegt, der unsere Vorschläge zum Altanlagenbonus und zu den Ruhezeiten aufgreift. Doch weiterhin gilt für Union und SPD, Kinder auf Sportanlagen sind wie Erwachsene zu behandeln und ihre Lebensäußerungen beim Sport sind störend und gehören reglementiert.

CDU/CSU und SPD - kein Herz für Kindersport

Wir halten das Argument, dass Kinderlärm in der Praxis vom Lärm der Erwachsenen Sporttreibenden nicht zu unterscheiden sei, für vorgeschoben. Denn bis zum Alter von 14 gelten Kinder als Kinder, dies entspricht im Sport der C-Jugend. Diese nutzen in der Regel zeitlich vor den Erwachsenen die Plätze und am Wochenende am Samstag und Sonntagvormittag. Eine Trennung ist also jetzt schon gang und gäbe und somit vollzugsfähig vollzogen.

Weitere Informationen:

Beschlussempfehlung des Umweltausschusses

Die Anhörung im Umweltausschuss

Die Debatte im Bundestag

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1 Kommentar
Ulrich Markmann-Mulisch 16.03.2017

Es sind nicht die Kinder, die Lärm machen, sondern fanatische Erwachsene, meist Eltern.
Noch etwas anderes: Kunstrasenplätze sind schädlich für die Umwelt durch Abrieb der Fasern und des Gummigranulats (Mikroplastik). Umweltschädlich ist weiter eine oft antiquierte Beleuchtung mit Quecksilberhochdrucklampen=Energievergeudung und Ausleuchtung riesiger Areale im Umfeld z.B. sogar von Naturschutzgebieten. Eine etwas kritischere Einstellungen fände ich deshalb schon angebracht.

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