Zukunft des Sports in DeutschlandOlympische Spiele am IOC-Virus erkrankt

Die Olympischen Spiele sind zu einem Langzeitpatienten geworden. Der Sport wird wieder von Doping, Korruption und Gigantismus überschattet. Das ist aus unserer Sicht das eindeutige Fazit der Olympischen Spiele von Rio de Janeiro.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) unter seinem Präsidenten Thomas Bach hat keine Lösungen für eine glaubwürdige Anti-Doping-Politik. Auch bei der Korruptionsbekämpfung oder einer Vision jenseits des Gigantismus gibt es weiter keine überzeugenden Antworten. Das IOC ist ein Teil des Problems, denn die Liste der Versäumnisse ist lang: Doping-Hinweisgeber wie das russische Ehepaar Stepanow wurden im Vorfeld der Spiele in Rio alleingelassen. Über 100 positive Nachtests der letzten Sommerspiele in Peking 2008 und London 2012 zeigen, dass Olympische Spiele zu Dopingspielen geworden sind. Saubere Athletinnen können vom nicht vor den betrügenden Konkurrentinnen geschützt werden. Die ungebremste Entwicklung hin zu teuren und gigantischen Spielen wird durch angestrebte Veränderungen wie die IOC-Agenda-2020 nicht gestoppt. Nicht zuletzt die Festnahme des IOC-Exekutivmitglieds Patrick Hickey aus Irland wegen mutmaßlicher Schwarzmarktgeschäfte verdeutlicht, dass internationale Sportfunktionäre weiterhin im Korruptionsstrudel schwimmen.

Menschen- und Bürgerrechte auch bei Sportveranstaltungen einhalten

Olympische Spiele und Paralympics sind besondere Schaufenster des internationalen Sports. Aber die internationale Sportpolitik benötigt dringende Reformen. Die Verbandsstruktur von IOC oder dem Weltfußballverband FIFA müssen demokratisiert werden und den Athleten Mitsprache eingeräumt werden. Die Politik darf sich von Sportfunktionären nicht länger diktieren lassen, nach welchen Kriterien Sportgroßveranstaltungen durchgeführt werden. Die Bundesregierung muss endlich tätig werden und die politische Initiative ergreifen für eine Demokratisierung und mehr Kontrolle des kommerzialisierten internationalen Sports. Denn seit der Weltsportministerkonferenz im Sommer 2013 in Berlin gibt es keine Fortschritte. Wir haben unser Konzept für verbindliche Regeln im internationalen Sport vorgelegt. Ohne die Einhaltung von Menschen- und Bürgerrechten und einen nachhaltigen Umwelt- und Naturschutz bei der Planung und Durchführung bleiben Sportgroßveranstaltungen in der Glaubwürdigkeitskrise stecken.

Sportpolitik muss sich einmischen – Deutscher Bundestag ist jetzt am Zug

Auch im Deutschen Bundestag sollte schnellstmöglich ein politisches Fazit der Olympischen Spiele von Rio de Janeiro gezogen werden. Verschiedene Athleten haben die Spitzensportförderung in Rio kritisiert und mehr Mitsprache verlangt. Wir Grüne im Bundestag unterstützen dies und wollen, dass die Steuergelder in der Sportförderung effizient und transparent eingesetzt werden. Wir setzen uns dafür ein, dass der Sportausschuss in seiner ersten regulären Sitzung nach der parlamentarischen Sommerpause am 21.September eine Analyse vornimmt und werden eine öffentliche Diskussion beantragen. Das gleiche Verfahren sollte zu einem späteren Zeitpunkt Anwendung finden für eine Analyse der im September in Rio de Janeiro stattfindenden Paralympics.

Spitzensportförderung 2017 - Doch ein „Weiter so“?

In Deutschland steht das Spitzensportsystem auf dem Prüfstand. Was jahrelang vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) an Reformen versäumt wurde, muss jetzt diskutiert und entschieden werden. Für bessere Trainerausbildung oder Talentförderung gibt es keine Konzepte.

Bereits in Kürze wird die von der Großen Koalition geplante Sportförderung 2017 im Deutschen Bundestag beraten. Seit Monaten kündigen Bundesinnenminister Thomas de Maizière sowie DOSB-Präsident Alfons Hörmann gravierende an. Doch der jetzt von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf für den Bundeshaushalt 2017 sieht genau das Gegenteil vor: In der Sportförderung des kommenden Jahres soll gemäß der vorgelegten Zahlen alles beim Alten bleiben. Die veranschlagten Ausgaben zur Förderung der Sportverbände, der Stützpunkte und des Leistungssportpersonals wurden in nahezu gleicher Höhe fortgeschrieben wie im olympischen Jahr 2016. Das ist jedoch das falsche Signal!

Für uns steht fest: Es muss mehr Klarheit und Öffentlichkeit in die Reform des Spitzensports in Deutschland und in die Sportförderung. Die bereits beschlossene öffentliche Anhörung im Sportausschuss am 19.Oktober werden wir dazu nutzen, um das bisherige Versteckspiel der Arbeitsgruppen von DOSB und Bundesinnenministerium kritisch zu beleuchten. Bundesinnenminister de Maizière muss dem Ausschuss Rede und Antwort stehen. Spitzensport und Breitensport müssen endlich zusammengedacht werden. In Deutschland werden Konzepte und Maßnahmen für eine sport- und bewegungsfreundliche Gesellschaft benötigt. Nicht nur eine Reform des Spitzensports.

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