Fußball-WM in Brasilien und KatarPolitische Sportberichterstattung

Die Bundesregierung bleibt beim Thema Sportgroßveranstaltungen weiter unkonkret - diesmal bei Fragen zur aktuellen Fußball-WM 2014 in Brasilien und der heiß diskutierten Vergabe der WM 2022 nach Katar. Im Sport- und Umweltausschuss hatte die grüne Bundestagsfraktion einen Bericht der Bundesregierung erbeten. Aber selbst unsere direkten Nachfragen führten von Seiten der Bundesregierung nur zu unvollständigen oder unbefriedigenden Antworten.

Selbst bei einfachen Fragen zur Situation am Rande der Fußball-WM in Brasilien ist die Bundesregierung die notwendigen Antworten schuldig geblieben. So konnte im Ausschuss nichts gesagt werden über Berichte der vor Ort in Brasilien anwesenden sieben deutschen Sicherheitsbeamten. Erstaunlich, dass der Bundesregierung entgangen ist, dass Fans aus Deutschland beim Spiel des deutschen Teams gegen Ghana eine Fan-Choreographie mit Fahnen untersagt wurde. Auch ist die Bundesregierung nicht auskunftsfähig, ob die in Brasilien mit einer „mobilen Fanbotschaft“ zur Betreuung der Fans aus Deutschland engagierte Koordinationsstelle für Fanprojekte (KOS) eine finanzielle Förderung des Bundes erhält.

Zwar verweist die Bundesregierung auf einige von Kanzlerin Merkel und Bundesinnenminister de Maizière am Rande ihrer Reisen besuchte soziale Projekte in Brasilien. Aber nicht befriedigend ist, dass bei den drängenden Themen nach Auskunft der Bundesregierung keine sportpolitischen Gespräche mit der brasilianischen Regierung geführt wurden. Wir meinen: Ein Sportminister, der bei Reisen zu einer Fußball-WM keine sportpolitischen Gesprächen vorgesehen hat, ist in erster Linie nur ein Reiseminister.

Für unsere beiden Abgeordneten im Sportausschuss, Özcan Mutlu und Monika Lazar steht daher fest: „Die Bundesregierung ist in aktuellen Fragen zu Sportgroßveranstaltungen weiterhin nicht sprechfähig. Man reist zwar gerne zu den Fußballspielen nach Brasilien, aber die notwendigen sportpolitischen Gespräche werden vor Ort nicht geführt. Bundeskanzlerin Merkel und Bundesinnenminister de Maizière scheint bis heute entgangen zu sein, dass sowohl die Fußball-WM 2014 in Brasilien als auch die skandalumtoste Vergabe der Fußball-WM 2022 in Katar erheblichen sportpolitischen Handlungsbedarf verursachen.“

Im Umweltausschuss sah es nicht besser aus: Die Parlamentarische Staatssekretärin konnte lediglich auf einige Leuchtturmprojekte in Brasilien verweisen, die sie allerdings nicht weiter erläuterte, außer dass einige aus Mangel brasilianischer Partner nicht umgesetzt wurden. Nach ihren Angaben werden solche Projekte allerdings zur WM in Katar nicht geplant. Obwohl sich alle Fraktionen im Ausschuss einig waren, dass es verbindliche internationale Kriterien bei der Vergabe von Sportgroßveranstaltungen geben und sich die Bundesregierung diesbezüglich einsetzen sollte, nahm die Staatssekretärin zu diesem Punkt nicht Stellung. Steffi Lemke sagte dazu: „Ich bin es leid, dass es immer nur bei Geschwätz bleibt, aber die Bundesregierung nichts tut.“

Wir kritisieren weiter:

  • Am Beispiel der WM in Brasilien zeigt sich, dass Bevölkerung und Bürgerinitiativen sowie Menschenrechtsverbände und Umweltorganisationen viel besser in bedeutsame Projekte eingebunden werden müssen. Die Politik darf sich nicht den Knebelverträgen von kommerziell agierenden Sportorganisationen wie Internationalem Olympischen Komitee (IOC) und Welt-Fußballverband FIFA beugen. Das wäre ein entscheidender Schritt zu mehr Nachhaltigkeit von Sportgroßveranstaltungen. Wir brauchen endlich eine Abkehr von der Gigantomie überteuerter Sportstätten. Wir brauchen mehr ökologische Verantwortung des Sports. Und wir brauchen eine Garantie für Menschen- und Bürgerrechten.
  • Katar ist daher der falsche Austragungsort für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022. Das Wüstenklima ist ein erheblicher Risikofaktor für Spieler und Fans. Künstlich runter gekühlte Stadien sind das falsche Zeichen für eine verantwortungsvolle Klimaschutzpolitik. Auch der Sport darf sich nicht aus seiner Verantwortung stehlen.
  • Solange Katar nicht einen wirksamen und verbindlichen Arbeiterschutz bei Bauprojekten schafft, ist der Wüstenstaat kein geeignetes Ausrichterland. Das Kafala-System, das Arbeiter auch weiterhin der Willkür von Arbeitgebern aussetzt, muss sofort abgeschafft werden.
  • Die Vergabe-Entscheidung nach Katar steht unter Korruptionsverdacht. Die Machenschaften im Welt-Fußballverband FIFA müssen vollständig aufgeklärt werden. Es muss endlich einen glaubwürdigen personellen Neuanfang geben und es müssen Transparenz und eine demokratische Kultur im internationalen Sport geschaffen werden.

Wir werden daher auch weiter im Deutschen Bundestag kritische Fragen an die Bundesregierung zu ihrer Politik stellen. Und wir werden mit allen verantwortlichen Akteuren eine Diskussion über die zukünftige Verantwortung von Politik und Sport bei Vergabe und Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen führen.

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