SportgroßveranstaltungenPolitische Sportberichterstattung

Fussball und Spielerbeine mit weißen und grünen Stulpen

Unser Konzept für zukunftsfähige Sportgroßveranstaltungen auf internationaler Ebene sieht vor, dass Sportgroßveranstaltungen durchführbar werden und gleichzeitig Menschen- und Bürgerrechte sowie Umweltverträglichkeit und Klimafairness berücksichtigt werden.

Politik muss sich stärker in die derzeitige Diskussion einbringen, denn Veranstaltungen wie die Männer-Fussball-Weltmeisterschaft (WM) in Brasilien oder die Olympischen Spiele in Sotschi finden nicht in einem luftleeren Raum ohne Politik statt. Immer öfter tritt die politische Dimension des Sports hervor. Daher muss jetzt eine verantwortungsvolle Politik die Initiative ergreifen, um in Zusammenarbeit mit Sportorganisationen und Sportverbänden eine international verbindliche Konvention für Vergabe und Durchführung von Sportgroßveranstaltungen auszuarbeiten und zu vereinbaren. Dabei kommen die UNESCO und der Europarat als internationale Institutionen in Betracht.

Sportverbände in der Pflicht

Für uns steht fest: Die Sportverbände müssen endlich menschen- und bürgerrechtliche Standards bei der Vergabe und Durchführung von Sportgroßereignissen in ihre Statuten aufzunehmen. Die Autonomie des Sports soll selbstverständlich berücksichtigt werden, aber gleichwohl muss es auch eine verbindliche Umsetzung mithilfe eines internationalen Fahrplans geben. Dabei muss besonders berücksichtigt werden, dass die fachliche Expertise von Nichtregierungsorganisationen, insbesondere von Menschenrechtsorganisationen, einbezogen wird. Bereits zum Zeitpunkt der Vergabe eines Sportgroßereignisses sollten im Ausrichterstaat die notwendigen Voraussetzungen für die kontinuierliche Einhaltung der Menschen- und Bürgerrechte bestehen. Oder aber in einem kontinuierlichen Beobachtungs- und Überprüfungsprozess geschaffen werden.

Ökologische Verantwortung

Darüber hinaus sollte den veranstaltenden und ausrichtenden Sportverbänden empfohlen werden, auch die Einhaltung von vereinbarten ökologischen Standards in regelmäßigen Abständen zu überprüfen und hierzu die relevanten Organisationen einzubeziehen und diese Überprüfungen zu veröffentlichen. Beispielsweise hat Deutschland mit der Ausrichtung der Frauen-Fußball-WM 2011 eine klimafaire Veranstaltung durchgeführt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte sich eine umfangreiche wissenschaftliche Beratung und Umweltexpertise schon weit vor Beginn des WM-Turniers eingeholt.

Kosten gerechter verteilen

Nicht zuletzt muss endlich auch die Frage der Anpassung von Steuerregeln für internationale Sportorganisationen und -verbände angegangen werden. Wir brauchen Initiativen für eine Harmonisierung des Steuerrechts, um die zunehmende Kommerzialisierung des Sports und von Sportgroßveranstaltungen zu berücksichtigen. Es kann nicht sein, dass Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele auf der einen Seite immer teurer werden und die SteuerzahlerInnen des Ausrichterstaates diese Kosten überwiegend alleine trägen. Und auf der anderen Seite werden einigen Sportorganisationen und -verbänden wie dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem Welt-Fußballverband (FIFA) die Quellensteuer erlassen, wenn sie ihre Sportprodukte wie Olympia oder WM veranstalten. Diese Praxis der wandelnden Steueroasen muss endlich beendet werden.

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